Alles neu, macht der Mai…

DSCN3688… macht die Seele, frisch und frei. So heißt es in einer alten Volksweise von Hermann Adam von Kamp, die Sie bestimmt kennen. Und frisch war es dieses Jahr auch, beim Maibaumaufstellen in Seeg, dem Honigdorf im Südlichen Allgäu. Es hat in Strömen geregnet, oder „Krotta“ (= allgäuerisch für Kröten), wie man bei uns sagt – aber das heißt noch lange nicht, dass wir Seeger uns davon abhalten lassen, unseren Maibaum aufzustellen. Wie heißt es in einer alten Bauernregel so schön: „Mairegen bringt Segen, da wächst jedes Kind, da wachsen die Blätter und Blumen geschwind.“

Wetter ist nur ein Zustand... es muss Freude machen...

Wetter ist nur ein Zustand… es muss Freude machen…

Das Aufstellen des Maibaums hat seine ersten Ursprünge schon im 16. Jahrhundert und seit dem 18. Jahrhundert ist es „ein Symbol für das neue bayrische Staatsbewusstsein“, so habe ich gelesen, aha. Es soll den Zusammenhalt und den Wohlstand des Dorfes zum Ausdruck bringen. Woher der Brauch kommt, ist nicht so ganz geklärt, da sind sich die Historiker nicht so ganz einig, aber das ist auch nicht ganz so wichtig, ich finde es ist einfach ein schönes Volksbrauchtum.

.. es gab viel zu tun, aber nun ist es soweit

.. es gab viel zu tun, aber nun ist es soweit

Nicht selten ergibt sich daraus ein Wettstreit der Dörfer und Gemeinden. Jeder versucht den schönsten und vor allem den höchsten Maibaum aufzustellen. Höhen bis zu 40 m sind durchaus normal. Früher haben sich bei uns in Seeg immer die „Wurzelbrüder“ (eine Art Burschenschaft) darum gekümmert, aber seit einigen Jahren hat diese Aufgabe unser Trachtenverein „D’Lobachtaler“ übernommen. Alle fünf Jahre wird hier bei uns im Dorf ein neuer Maibaum aufgestellt, länger kann seine Standfestigkeit nicht gewährleistet werden.

Es ist jedes Mal wieder ein Erlebnis, wenn der Maibaum aufgestellt wird. Doch zuvor gibt es einige Vorbereitungen, bis es soweit ist – und wir durften dabei sein, damit ich es Ihnen erzählen kann.

Das Taxi für unseren Maibaum

Das „Taxi“ für unseren zukünftigen Maibaum ist da.

Tage vorher schon wurde der Baum gefällt. Den Baum hat die Gemeinde Seeg gesponsert.

Entästet wartet der Baum auf seine Abholung

Entästet wartet der Baum auf seine Abholung.

Danach wird er entastet, geschält und geschliffen und an einen geheimen Platz gebracht, nicht, dass er noch gestohlen wird! Dies ist ein weiterer, beliebter Brauch – das „Maibaum-Stehlen“. Wer es schafft, dem Nachbardorf den Maibaum zu stehlen, kann sich auf das „Lösegeld“ freuen, mit dem der bestohlene Ort seinen Baum zurück kauft. Meist ist dies ein gemeinsamer Abend mit Bier und einer zünftigen Brotzeit. Sollte das Lösegeld nicht bezahlt werden, stellt man den gestohlenen Baum als Schandbaum neben den eigenen.

Beim Abtransport aus dem Wald ist der Baum jedoch dieses Jahr bei uns gebrochen.

Maibaumbruch - das war nicht geplant..

Maibaumbruch – das war nicht geplant..

Jetzt nur nicht die Nerven verlieren - ein neuer Baum wird gesucht.

Jetzt nur nicht die Nerven verlieren – ein neuer Baum wird gesucht.

"Schnell" ein neuer abgesägt..

„Schnell“ ein neuer abgesägt.

... nochmals bearbeiten...

… nochmals bearbeiten…

Schnell wurde ein neuer Baum ausgewählt und wieder vorbereitet. Das kann passieren und ist natürlich nicht so schön, aber unsere Trachtler hatten das gut im Griff.

.. und ab geht es zur weiteren Vorbereitung

.. und ab geht es zur weiteren Vorbereitung

Es wird Abend in Seeg

Es wird Abend in Seeg.

Netterweise haben sie uns auch gesagt, wo der zukünftige Maibaum versteckt wurde, so konnte Manfred Zinss, der für mich immer die tollen Fotos schießt, auch hier vor Ort sein, bei der „Wache“.

... Grundreinigung...

… Grundreinigung…

.. und dann vorsichtig rein in die gute Stube..

.. und dann vorsichtig rein in die gute Stube..

... das er ja nicht mehr bricht..

… das er ja nicht mehr bricht..

... jeder hilft mit..

… jeder hilft mit..

.. und jetzt der Feinschliff..

.. und jetzt der Feinschliff..

Tag und Nacht wurde der Baum bewacht, da kann die Zeit schon mal lang werden. Hut ab, vor den freiwilligen Helfern, die sich dafür bereiterklärt haben.

.. a gscheite Brotzeit..

.. a gscheite Brotzeit..

 

.. das haben sich alle Helfer mehr als redlich verdient.

.. das haben sich alle Helfer mehr als redlich verdient.

... die Nacht kann kommen..

… die Nacht kann kommen..

.. und die Wache beginnt..

.. und die Wache beginnt..

Es wird ruhig in der geheimen Unterkunft des Maibaums...

Es wird ruhig in der geheimen Unterkunft des Maibaums…

Dann kam der große Tag –

.. aufgeladen...

.. aufgeladen…

... es geht Richtung Dorf.

… geht es Richtung Dorf.

.. Vorbereitungen mit den Pferden..

.. Vorbereitungen für den Pferdetransport..

... die Kutsche fährt vor..

… die Kutsche fährt vor..

– feierlich wurde der zukünftige Maibaum mit einem Pferdegespann ins Dorf gebracht.

und jetzt kann es losgehen.

..und jetzt kann es losgehen.

.. auch die Musikanten von der Harmoniemusik in Seeg lassen sich vom Regen nicht abhalten

.. auch die Musikanten von der Harmoniemusik in Seeg lassen sich vom Regen nicht abhalten

.. da kann es regnen so viel es will...

.. da kann es regnen so viel es will…

Dort wurde er im Beisein von vielen Seegern und Gästen, von unserem Pfarrer Alois Linder geweiht, bevor er aufgestellt wurde.

unser Pfarrer Alois Linder ist bereit, den Baum zu weihen

Pfarrer Alois Linder ist bereit, den Baum zu weihen..

.. nass sind wir sowieso schon alle.

.. nass sind wir sowieso schon alle.

Bis der Baum steht, nimmt einige Zeit in Anspruch. Zuerst wurden die ganzen Zunftschilder befestigt und dann wurde er mit Hilfe eines Krans aufgestellt und fixiert. Dazu werden viele Helfer benötigt.

..bald sind alle Zunftschilder befestigt

..bald sind alle Zunftschilder befestigt

langsam hievt ihn der Kran hoch

… langsam hievt ihn der Kran hoch..

 

... endlich...

… endlich…

.. der Maibaum für Seeg steht!

.. der Maibaum für Seeg steht!

Zur Mittagszeit stand er dann da, in seiner vollen Pracht – Seeg hat wieder einen Maibaum, bravo!

Früher durften dafür unter keinen Umständen technische Hilfsmittel benutzt werden und es musste gemeinschaftlich, allein mit Muskelkraft bewältigt werden. Heute wird häufig, aufgrund der großen Unfallgefahr, ein Kran zur Hilfe gezogen.

.. ein paar Nacharbeiten mussten noch gemacht werden...

.. Norbert Martin klettert nach oben um die Halteseile zu lösen…

... geschafft, jetzt kann es wieder runtergehen.

… geschafft, jetzt kann es wieder runtergehen.

"Profitalk" - ist alles gut gelaufen? Links Johannes Blochum, 1. Vorstand des Trachtenvereins D'Lobachtaler

„Profitalk“ – ist alles gut gelaufen? Links Johannes Blochum, 1. Vorstand des Trachtenvereins D’Lobachtaler

Nach getaner Arbeit und in Begleitung der Seeger Harmoniemusik, gab es die Möglichkeit zum Essen und Trinken. Der Trachtenverein bot verschiedene Schmankerln an und dazu gab es frisch gezapftes Bier.

... deftige Schupfnudeln..

… deftige Schupfnudeln..

Oli schänkt das passende Bier dazu aus..

Oli schänkt das passende Bier dazu aus..

Sogar zwei Zelte wurden aufgebaut, so dass uns der Regen nichts ausmachte. Im Gegenteil eine gemütliche Stimmung.

und danach ein riesen Kuchenbuffet - sogar mit Maibaumkuchen!

und danach ein riesiges Kuchenbuffet – sogar mit Maibaumkuchen!

Übrigens, der mit Sicherheit höchstgelegene Maibaum der Welt steht auf der Zugspitze in 2.600 Metern Höhe und den wohl gewagtesten Maibaumklau führten damals, 2004, vier Senioren durch. Per Hubschrauber klauten sie den Maibaum auf der Zugspitze und forderten als Erlös Saisonkarten und freie Kost im Restaurant. Letztendlich haben sie aber „nur“ 150 Brotzeiten und 100 Halbe Bier bekommen.

Unser Maibaum wurde gut bewacht und steht jetzt wunderschön wieder an seinem angestammten Platz im Dorf. Schauen Sie doch mal vorbei und bewundern sie ihn. Ein „Prost“ auf die gelungene Aktion und unseren Trachtenverein!

"Hand'r mea sauguat gmocht, Dir Trachtler!"

„Hand’r mea sakrisch guat gmocht, Dir Trachtler!“

 

Ihre Renate Carré

 

Und hier auch mal ein Foto mit Manfred Zinss, der bei jedem Wetter die Fotos schießt, auch einen Dank an ihn!

Und hier auch mal ein Foto mit Manfred Zinss in Aktion – der bei jedem Wetter die Fotos schießt, auch einen Dank an ihn!

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Renate Carré

Über Renate Carré

„Mit Leib und Seele Allgäuerin“, fällt mir spontan ein, wenn man mich fragt, wer ich denn sei. Obwohl ich schon viel „umeinandergekommen“ bin, wie man bei uns so schön sagt – der Bezug zur Heimat ist ein ganz besonderer. Ich wohne mit meiner Familie in Seeg, dem Honigdorf im Allgäu. Schon früh hat mich die Dorfgeschichte interessiert, und vor ein paar Jahren habe ich dann die Gelegenheit genutzt und eine Ausbildung als „Kulturführerin“ abgeschlossen. Seitdem gebe ich Dorfführungen für interessierte Gäste und Einheimische, und auch im Burgenmuseum in Reutte/Tirol oder auf Burg Ehrenberg bin ich aktiv dabei. Ich bin in der Vorstandschaft vom Tourismusverein Seeg sowie im Bürgerforum Seeg und arbeite ehrenamtlich in der Pfarr- und Gemeindebücherei. Wenn es darum geht, Leute fürs Allgäu zu begeistern, bin ich immer dafür zu haben. Auch durch meine Mitarbeit hier in diesem Blog.

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