Barfuß durch die Hölle ins Paradies

Griaß eich. Durch die Hölle ins Paradies? Und dazu barfuß. Ja geht denn das? Bei uns schon. Genau gesagt, bei Pfronten. Oder noch genauer gesagt, bei Kappel.  Von hier wollen wir rund 450m durch die Höllschlucht auf die toll gelegene Kappeler Alp in 1350m Höhe aufsteigen.

Am Wanderparkplatz am Kiosk des Waldseilgartens geht er los, der gut beschilderte Weg. Aber Ihr müsst aufpassen. Es führen zwei Wege auf die Kappeler Alp, beide werden wir kennen lernen. Rauf laufen wir durch die Höllschlucht, runter kommen wir über den Wiesenweg, so ist es am angenehmsten.  Wir folgen also zunächst  der Beschilderung  in Richtung „Höllschlucht“.  Dazu geht’s ein paar Meter die Asphaltstraße Richtung Hündeleskopfhütte hinauf, bis rechts der Forstweg zur Höllschlucht abzweigt.

Wir zwei, Eva und Wolfgang, laufen das ganze Jahr über barfuß. Das macht uns großen Spaß und darüber hinaus tun wir unserem Körper damit etwas Gutes. Natürlich gibt es da Grenzen. Im Winter, wenn es friert, z.B. Da tragen wir natürlich unsere (Minimal- oder „Barfuß“-) Schuhe. Oder wenn der Untergrund gar zu grauselig wird. Wie z.B. auf diesem gesplitteten Forstweg rauf zur Höllschlucht.  Zum Glück sind das nur 800 Meter. Nebendran plätschert der Steinebach schon wildromantisch über kleine gemauerte Staustufen.

Hin und wieder kann man auch Bogenschützen dabei zusehen, wie sie ihre Fertigkeiten bei Schüssen auf eigens dafür aufgestellte Tierfiguren am Wegesrand ausprobieren. Natürlich kann man sich die Ausrüstung dafür am Kiosk des Waldseilgartens ausleihen.

Unser Hobby ist so etwas aber nicht, wir sind eh Vegetarier…

Bald endet der Forstweg und der sehr steile, mit Wurzeln durchsetzte Steig hinein in die Höllschlucht beginnt. Unsere Füße freuen sich. Sie werden aus ihrer Schuhgefangenschaft befreit und dürfen den herrlich abwechslungsreichen und kühlen Waldboden genießen.

Ein zusätzlicher Sinn, von dem die meisten Menschen leider ihr Leben lang kaum Gebrauch machen. Zu entfremdet sind wir von unseren Füßen, die doch eigentlich unser Fundament darstellen. Wenn man überlegt, dass es Lauflernschuhe für Babies gibt, erkennt man, wie konventions- und werbegesteuert unsere Welt inzwischen geworden ist. Natürlich braucht es ein paar Wochen, bis sich unsere im Schuhkorsett erschlafften Fußmuskeln und die empfindlich gewordene Haut wieder ans Barfußlaufen gewöhnt haben, aber es lohnt sich!

Unsere Schuhe verschwinden jetzt jedenfalls im Rucksack, hier ist ideales Barfußgebiet. Der Steig ist gut mit Geländern gesichert, da muss man keine Bange haben.

Die Landschaft in der tief eingeschnittenen Waldschlucht ist großartig. Der Bach stürzt über viele kleinere und größere Kaskaden hinab.

Das Sahnehäubchen der Schlucht ist ein hoher Wasserfall, der malerisch in mehreren Stufen herabstürzt.

Weit geht es hinauf, der Wanderer kommt auf dem Pfad ganz nett ins Schwitzen. Aber Ihr wolltet ja sowieso mal abnehmen, oder? Hier habt Ihr reichlich Gelegenheit dazu.

Aber nur, wenn Ihr Euch dann mit all den Leckereien zurückhaltet, die Euch oben auf der Kappeler Alp angeboten werden. Die erreichen wir schon bald, nachdem wir den steilen Höllschluchtwald verlassen haben und auf die herrlichen Alpwiesen hinausgetreten sind. Die Schuhe bleiben selbstverständlich im Rucksack, die brauchen wir für heute sowieso nicht mehr.

Die Aussicht von der Alphütte ist grandios. Der Blick reicht vom Füssener Seenland über die Tannheimer und Ammergauer Alpen bis hin zum Wettersteinmassiv mit der Zugspitze. Die Anstrengung hat sich wahrhaft gelohnt.

Hinunter geht es zunächst ein Stück weit den gleichen Weg über die Alm zurück, dann biegen wir aber links auf den Wiesenweg ab, der uns teilweise auf Bohlenwegen über Wiesen und durch kleine Waldstücke einer herrlichen Landschaft wieder hinab ins Tal führt.

Wer nach dieser Wanderung noch überschüssige Energien hat, kann abenteuerlich noch ein wenig im Waldseilgarten herum klettern.

Viel Spaß beim Nachwandern! Vielleicht sogar barfuß?

Eva und Wolfgang

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