Ein Ort, um Kraft zu schöpfen

Sehenswürdigkeit in Rieden am Forggensee - die Kapelle St. Maria Magdalena

Im Südlichen Allgäu gibt es diese besonderen Orte, die eine eigentümliche Kraft verströmen, wenn sich eine besonders eindrucksvolle Aussicht auf die Berge eröffnet, wenn die Alpenlandschaft sich ringsum wie im Bilderbuch zeigt oder dort, wo alte Geschichten schlummern. So ein besonderer Ort ist für mich die Votivkapelle St. Maria Magdalena in Rieden am Forggensee. Ein Ort, um Kraft zu schöpfen. Das Kleinod steht in schmucker Alleinlage auf einem Sandsteinfelsen südwestlich von Rieden am Forggensee und hat eine ganz eigene Geschichte.

Die Kapelle St. Maria Magdalena steht in Alleinlage auf einem Sandsteinfelsen südwestlich von Rieden am Forggensee und hat eine ganz eigene Geschichte.

Kennen Sie auch Menschen, denen Gutes widerfährt, die darüber tiefe Dankbarkeit empfinden und deshalb den Wunsch hegen, das Gute mit anderen zu teilen, es zurück- und weiterzugeben? So jemand ist Johann Streif aus Rieden am Forggensee. Der Schreiner aus unserem Ort litt jahrelang an einer sehr schweren Krankheit, musste sich mehreren Operationen unterziehen. Dass er schließlich geheilt wurde, kam vielen einem Wunder gleich. Schon gleich nach dem letzten Krankenhausaufenthalt suchte Johann Streif seinen Baumeister auf, um aus Dank für seine Genesung eine Kapelle zu errichten, wie auch auf der Votivtafel des Roßhauptner Malers Pankraz Walk im Innern zu lesen ist. Das kleine Gotteshaus ist bis ins kleinste Detail durchdacht und mit Sorgfalt gestaltet, erst der 15. Entwurf entsprach genau seinen Vorstellungen. Bereits vor mehr als 30 Jahren hatte Johann Streif den Wunsch, eine Votivkapelle zu bauen. Dass schließlich die Überwindung einer schweren Krankheit zum ersten Spatenstich führen sollte, hätte er nie gedacht.

Votivtafel in der Kapelle St. Maria Magdalena

Votivtafel des Roßhauptener Kunstmalers Pankraz Walk

Zwei Granitsäulen tragen das markante, weit vorgezogene Satteldach mit Glockentürmchen.

Zwei Granitsäulen tragen das markante, weit vorgezogene Satteldach mit Glockentürmchen.

Das gusseiserne Gittertor des Kunsthandwerkers Fadil Babic aus Pfronten zeigt einen Weinstock mit sieben Reben, zwei betende Engel und die Inschrift "Lobpreiset den Herrn".

Das gusseiserne Gittertor des Kunsthandwerkers Fadil Babic aus Pfronten zeigt einen Weinstock mit sieben Reben, zwei betende Engel und die Inschrift „Lobpreiset den Herrn“. Der Weinstock symbolisiert Jesus Christus, die sieben Reben das Gottesvolk und die sieben Trauben die siebenjährige Krankheit von Johann Streif.

Altar, Fenster, das Satteldach aus Lärchenholz sowie das Glockentürmchen zimmerte Johann Streif selbst. Vieles, etwa der schlicht gehaltene Altar, wurden marmoriert, wie es Brauch in vielen Allgäuer Kirchen ist.

Altar, Fenster, das Satteldach aus Lärchenholz sowie das Glockentürmchen zimmerte Johann Streif selbst. Vieles, etwa der schlicht gehaltene Altar, wurden marmoriert, wie es Brauch in vielen Allgäuer Kirchen ist.

Die Statue der hl. Maria Magdalena und die Engelsfiguren wurden in einer Südtiroler Holzwerkstatt von Hand geschnitzt.

Die Statue der hl. Maria Magdalena und die Engelsfiguren wurden in einer Südtiroler Holzwerkstatt von Hand geschnitzt.

Links Johannes der Täufer, rechts die hl. Barbara, die Namenspatrone von Johann Streif und seiner Frau. Die Bildnisse in den Seitenfenstern stammen aus der Hand des Pfrontener Glasers Hans Peter Metzger.

Links Johannes der Täufer, rechts die hl. Barbara, die Namenspatrone von Johann Streif und seiner Frau. Die Bildnisse in den Seitenfenstern stammen aus der Hand des Pfrontener Glasers Hans Peter Metzger.

In der traditionell zugelöteten Kugel unter dem Kreuz auf dem Glockentürmchen befinden sich drei Briefe sowie ein Rosenkranz.

In der traditionell zugelöteten Kugel unter dem Kreuz auf dem Glockentürmchen befinden sich drei Briefe sowie ein Rosenkranz.

Jeden Tag fährt Johann Streif zu seiner Kapelle, sperrt sie morgens auf und in der Dämmerung wieder zu. Das Gotteshaus soll für Jeden offen sein, selbst bei geschlossenen Türen, was sich durch das Gittertor ermöglichen ließ. Mit unglaublicher Liebe zum Detail, Sorgfalt und Beständigkeit pflegt er das kleine Kirchlein seit zehn Jahren. Kein Unkraut ist drumherum zu sehen und duftende Blumen säumen den Weg über sieben Stufen bis zur Kapelle.

„Kraft aus der Erde“

Die Kerzen auf dem Altar und in den geschmiedeten Leuchtern werden immer wieder von gläubigen Besuchern gespendet, die einfach nur „Danke“ sagen möchten für diesen Ort, „an dem man aus der Erde Kraft schöpfen kann“, wie es ein Gast es im Gespräch mit Johann Streif ausdrückte. Auch die Eintragungen im Gästebuch geben bewegend Zeugnis, welche starken, ja fast schon heilsamen, Eindrücke das Kirchlein bei Besuchern hinterlässt.

Altarraum - Gläubige Besucher spenden immer wieder die Kerzen für den Altar und die Leuchter.

Gläubige Besucher spenden immer wieder die Kerzen für den Altar und die Leuchter.

Im Gästebuch der Kapelle finden sich bewegende Eintragungen.

Das Gästebuch mit bewegenden Eintragungen.

Wegbeschreibung zur Kapelle

Das Kirchlein ist für die stille Andacht tagsüber bis zur Dämmerung geöffnet. Falls Sie die romantisch gelegene Votivkapelle besuchen möchten: Am besten spazieren sie in Rieden am Forggensee (PLZ 87669) die Brunnenstraße in Richtung Hintere Schöne und kurz vor dem Puppenmuseum links in den Hopfener Weg. Nach etwa 200 Metern haben Sie die sehenswerte Kapelle erreicht. (Hinweis: auf dem Hopfener Weg dürfen keine Autos fahren).

Anlässlich des 10- jährigen Bestehens der Kapelle findet am Samstag, den 12. September 2015 um 18 Uhr ein Gedenkgottesdienst mit musikalischer Umrahmung der Riedener Alphornbläser und dem Dreigesang statt (Nur bei trockener Witterung).

Forggensee-Sehenswuerdigkeit-Kapelle-St-Maria-Magdalena

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein von Gertrud Holzmann. Permanenter Link des Eintrags.
Gertrud Holzmann

Über Gertrud Holzmann

Mein Name ist Gertrud Holzmann. Seit meiner Kindheit wohne ich im schönen Rieden am Forggensee und arbeite seit vielen Jahren mit großer Freude im Tourismus. Den Feriengästen die schönsten Seiten meiner Heimat nahe bringen zu können, ihnen all die atemberaubenden Logenplätze und vielen herrlichen Ausflugsziele mitzuteilen, damit ihre wertvollen Urlaubstage noch schöner werden, begeistert mich jedes Mal aufs Neue.

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3 Gedanken zu “Ein Ort, um Kraft zu schöpfen

  1. Liebe Gertrud,
    ein wundervoller Ort!
    Auch das Bänkle links neben der Kapelle. Dort hat man einen traumhaften Blick auf die Bergkulisse! LG

  2. …was einem lieb und teuer ist, bemerkt man erst wenn man längere Zeit weg ist! Jetzt ist das Allgäu Heimat für mich und ich finde diese Orte die Ihr vorstellt einfach wunderbar…Viele Grüße Oliver

    • War heuer das erstemal im Allgäu bei meinen Freunden. Es war wunderschön, hat mir sehr sehr gut gefallen. Werde bestimmt wieder kommen, obwohl ich im schönen Salzburg zu Hause bin. Mit lieben Grüßen, ROSI

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