Drei-Schlösser-Blick vom Senkele

"Panorama-Fenster im Blätterdach" - der Drei-Schlösser-Blick am Naturpfad Senkele bei Seeg.

„Panorama-Fenster im Blätterdach“ – der Drei-Schlösser-Blick am Naturpfad Senkele bei Seeg.

Wandern im Allgäu muss nicht immer „hoch hinaus“ bedeuten. Für „Hochgenuss“ in unserer Voralpenregion hier im Südlichen Allgäu stehen auch eine ganze Reihe wunderschön gemütliche Touren, die gemäßigt durchs Gelände führen! Eine davon ist – vor allem mit Kindern, die gerne laufen – der Naturpfad Senkele. Wobei der Abstecher zur Alpe Beichelstein nicht fehlen darf – wegen der fantastischen Aussicht und einer deftigen Brotzeit.

Start auf den Naturpfad Senkele ist ein Wanderparkplatz, erreichbar über die Verbindungsstraße zwischen unserem Drachendorf Roßhaupten und unserem Honigdorf Seeg. Von Roßhaupten kommend geht es links ab, kurz nachdem die Straße steil in den Wald ansteigt. Von Seeg her passieren wir Hinter- und Vordersulzberg und links das Landhotel Haflingerhof, bevor uns kurz nach dem Waldrand und einer leichten Linkskurve der Wegweiser nach rechts weist. Nach einigen Metern Kiesweg sind wir am Parkplatz. Eine umweltfreundliche Anreise-Alternative ist die Bahn. Denn vom Moorbahnhof Seeg an der Zugstrecke Marktoberdorf-Füssen sind flotte Wanderer in einer Dreiviertelstunde am Höhenzug rund um den Senkelekopf.

Der Seeger Moorbahnhof erhielt 2012 den Bayerischen ÖPNV-Preis.

Der Moorbahnhof in Seeg wurde 2012 mit dem Bayerischen ÖPNV-Preis ausgezeichnet.

Direkt am Senkele-Wanderparkplatz stimmen in einer Schutzhütte zwei Infotafeln darauf ein, was uns auf dem Naturpfad alles erwartet. Ab hier führt eine gepflegte Forststraße in den Fichtenwald.

Bis zum Waldhaus ist die Wanderung auch mit Kinderwagen bestens geeignet.

Bis zum Waldhaus ist die Wanderung auch mit Kinderwagen bestens zu machen.

Schon bald lockt uns ein Brettersteg rechts ins Schilf. (Vorsicht Rutschgefahr! Bei feuchter Witterung sind die Planken glitschig.)

Der erster Abstecher für kleine und große Natur-Entdecker.

Der erster Abstecher für kleine und große Natur-Entdecker.

Wir finden einen kleinen Waldweiher, der zum Quellgebiet des Lobachs gehört, der weiter unten im Tal in vielen malerischen Schleifen am Honigdorf Seeg vorbeizieht. Hier oben im Wald quaken im Frühjahr die Frösche rund um den Weiher.

Der kleine Moorweiher im Wald - ein faszinierendes Biotop zu jeder Jahreszeit.

Der kleine Moorweiher im Wald – ein faszinierendes Biotop zu jeder Jahreszeit.

Im Sommer surren schillernde Libellen durch die Luft, farbprächtige Schmetterlinge und seltene Falter treiben ihr Spiel. Im Herbst wallen geheimnisvolle Nebelschwaden über das moorig-braune Wasser. Und im Winter könnten wir bei klirrender Kälte ans Schlittschuhlaufen denken, wären wir nicht im Naturschutzgebiet. Eine Tafel erzählt von der Tier- und Pflanzenvielfalt an diesem stillen Biotop.

Zurück auf der Forststraße treffen wir bald auf die Weggabelung, an der auch die Wanderer vom Moorbahnhof den Naturpfad erreichen. Ein Holzparcours im Wald lädt Kinder und Erwachsene ein, sich im Balancieren auszuprobieren.

Holzstelen zum Balancieren sorgen für Abwechslung am Wegesrand.

Holzstelen zum Klettern und Balancieren sorgen für Abwechslung am Wegesrand.

Links leicht bergab passieren wir eine Info-Stelle über die „Stars“ im Honigdorf Seeg, die Honigbienen,…

Hölzerne Schaukästen und eine Texttafel erzählen von den Bienen.

Hölzerne Schaukästen und eine Texttafel erzählen von den Bienen.

…und erreichen die erste Rastmöglichkeit. Sitzbänke stehen neben einem großen Wasserrad, das jetzt im Herbst 2014 leider nicht läuft. Die Wasserrinne ist abgebaut, vermutlich stehen Ausbesserungsarbeiten an. Als wir im Frühjahr hier waren, hatten unsere Kinder jede Menge Spaß, durchs klare Wasser des Bachlaufs zu waten, Schiffchen und Dämme zu bauen.

Am Wasserrad zu verweilen ist im Frühjahr und Sommer für Kinder ein riesen Spaß.

Am Wasserrad zu verweilen ist im Frühjahr und Sommer für Kinder ein riesen Spaß.

Unser weiterer Weg ist links und rechts von jungem Mischwald gesäumt. Auf einer Tafel erfahren wir, warum: Die schweren Herbst- und Winterstürme der 1990er-Jahre hatten damals den Fichtenwald zerstört, die Monokulturen waren den Naturgewalten hier nicht gewachsen. Der nun nachwachsende Mischwald soll diesen Schäden künftig vorbeugen.

Entlang des Naturpfads Senkele erfahren Wanderer viel Wissenswertes über Wald und Natur.

Entlang des Naturpfads Senkele erfahren Wanderer viel Wissenswertes über Wald und Natur.

Wir erreichen das Waldhaus, eine Forsthütte, an der wir noch mehr über den Naturwald und die Holzwirtschaft hier im Südlichen Allgäu nachlesen können.

Das Ziel der ersten Etappe ist in Sicht, das Waldhaus, eine unbewirtschaftete Forsthütte.

Das Ziel der ersten Etappe ist in Sicht,…

Das Waldhaus, eine unbewirtschaftete Forsthütte.

…das Waldhaus, eine unbewirtschaftete Forsthütte.

Vor allem Kinder kommen hier auf ihre Kosten:…

...an weitläufig angelegten Spielmöglichkeiten,...

…an weitläufig angelegten Spielmöglichkeiten wie Klettergerüsten,…

...einem riesigen Sandkasten mit Wasserpumpe,...

…einem riesigen Sandkasten mit Wasserpumpe,…

...hölzernen Klang- und Schlagspielen,...

…hölzernen Klang- und Schlagspielen,…

…neben und in einer Schutzhütte mit Sitzbänken. Sogar ein Kneipp-Tretbecken gibt es hier, mit frischem Wasser im Waldbach. All das lädt uns ein zu einer ausgedehnten Spiel-, Brotzeit- und Verschnaufpause. Die haben wir nötig!  Auch im Vorgriff auf das, was uns noch erwartet…
Denn einige Gehminuten später stehen wir an einer dreifachen Wegverzweigung, an der sich das weitere Waldvergnügen entscheidet: Links brächte uns ein in der Ebene verlaufender Wald- und später Feldweg um den Senkele-Höhenzug herum. Zu unserem Ziel, der Alpe Beichelstein, müssten wir allerdings ganz zum Schluss die steile Serpentinenstraße erklimmen – zu Fuß und auf Teer kein besonderes Vergnügen. Das überlassen wir lieber Mountainbikern und Sonntagsfahrern.
Rechts führt eine Forststraße in den Wald. Diese Route ohne Aussichtspunkte behalten wir uns für den Rückweg vor, wenn wir dann bergab möglichst schnell und bequem nach Hause kommen wollen.
Also die goldene Mitte! Ein breiter Fußpfad, der beständig bergan führt.

Jetzt geh's steil bergan, doch hier ist der Weg das Ziel!

Jetzt geh’s hoch, doch der Weg ist hier das Ziel!

Hier ist Ausdauer gefragt: Je nach Kondition kann der Anstieg bis zu einer Dreiviertelstunde dauern, vor allem mit Kindern. Doch die Anstrengung lohnt sich – versprochen!

Wer gerne marschiert, ist am Senkele genau richtig...!

Wer gerne marschiert, ist am Senkele genau richtig…!

In diesen Herbsttagen ist das „Golden“ wörtlich zu nehmen – unter dem herrlich bunt im Sonnenlicht schillernden Blätterdach der majestätischen Bäume in einem der ganz wenigen zusammenhängenden Buchenwälder, die es im Allgäu überhaupt gibt. Im Frühjahr begeisterte uns hier das satte Hellgrün.

Im Wind wanken die Baumriesen knarzend wie in einem uralten Märchenwald.

Im Wind wanken die Baumriesen knarzend wie in einem uralten Märchenwald.

Rotes Nagelfluhgestein quillt förmlich aus dem Berg. Eine Tafel am Wegesrand erklärt uns die Geologie des Südlichen Allgäus.

In grauer Vorzeit war hier ein Meer - auch das erfahren wir am Naturpfad.

In grauer Vorzeit war hier ein Meer – auch das erfahren wir am Naturpfad.

Nachdem wir stetig an Höhe gewonnen haben, öffnet sich nach Süden plötzlich das Blätterdach: Vom steil abfallenden Hang blicken wir hinaus auf Hopfensee, Säuling, Neuschwanstein, Hohenschwangau und das Hohe Schloss zu Füssen.

Wir haben den Drei-Schlösser-Blick erreicht, verrät die Info-Tafel.

Der Drei-Schlösser-Blick: vorne der Hopfensee, dahinter Lechtaleinschnitt und Säuling.

Für derlei atemberaubende Ausblicke zu den Alpengipfeln ist das Südliche Allgäu berühmt. Wir sind an einem der Logenplätze im Schlosspark, wie sich das Ostallgäu wegen der Königsschlösser bei Füssen auch nennt. Ein paar hundert Meter weiter könnten wir rechts zum Senkelekopf abbiegen – hin und zurück eine Viertelstunde, die wir bislang ausgelassen haben. Vielleicht gibt es Wanderer, die von dieser „Abstecher-Erfahrung“ hier im Blog erzählen wollen!?
Doch langsam bekommen wir Hunger, und bis zum Beichelstein ist’s noch eine gute halbe Stunde. Wir erreichen den höchsten Punkt unserer Wanderung und treten aus dem Wald: Unvermittelt, in seiner ganzen überwältigenden Pracht, tut sich das Alpen-Panorama auf!

Aggenstein und Breitenberg bei Pfronten.

Aggenstein und Breitenberg bei Pfronten…

Alpspitze bei Nesselwang

…rechts hinten Sorgschrofen und Wertacher Hörnle, davor der trutzige Kienberg über Pfronten.

Und im Osten grüßen wieder Säuling und Hopfensee.

Und im Osten grüßen wieder Säuling und Hopfensee.

Wie lange könnten wir hier verweilen und staunen! Unser Weg zieht nun sanft abfallend am Waldrand entlang gen Westen.

Von dort oben aus dem Wald kommen wir.

Von dort oben aus dem Wald kommen wir.

Wir durchqueren Almwiesen, deren Blumenpracht und Kräuterfülle im Frühjahr, bevor das Jungvieh hier hoch getrieben wird, ein Rausch für die Sinne ist.

Die Alpenwiese auf dem Beichelstein - Düfte und Farben im Überfluss!

Die Alpenwiese auf dem Beichelstein – Düfte und Farben im Überfluss!

Jetzt im Herbst sind Vogelbeeren in den Hecken und Sträuchern die bunten Tupfer, vereinzelt grüßt blau ein kurzstieliger Enzian, dazu die vielen Silberdisteln, aus dem dunklen Fichtenforst winkt gelb der Bergahorn. Vorbei an der Senkele-Alpe…

...die nicht bewirtschaftet ist...

…die nicht bewirtschaftet ist…

…verläuft die große, gemütliche Wegschleife auf dem Höhenzug entlang. Nach einem scharfen Linksschwenk passieren wir eine Panoramatafel, auf der unsere Aussicht auf die Alpengipfel noch mehr Namen bekommt.

Von der Alpe ist es wenige Minuten zur Panoramatafel - und zur herrlichen Aussicht.

Von der Alpe ist es wenige Minuten zur Panoramatafel – und zur herrlichen Aussicht.

Und dann ist plötzlich die Alpe Beichelstein zum Greifen nah.

Die Alpe Beichelstein ist fast erreicht.

Die Alpe Beichelstein vor dem herrlichen Panorama des Königswinkels bei Füssen.

Wir beschleunigen unsere Schritte. Schließlich wollen wir uns mit Wurstsalat, saurem Käs‘, Brotzeitplatte und frischen Getränken oder mit Kaffee und Kuchen für Ausdauer und Durchhaltevermögen belohnen. Und den Kindern machen die Ziegen viel Freude, die rund um die Alpe lustig durchs Gelände springen.

Wolkenspiele am Säuling.

Wolkenspiele am Säuling vom Beichelstein aus gesehen, vorne der Hopfensee.

Für den Heimweg wählen wir entweder dieselbe Route, halten uns am Wegknick oberhalb der Alpe also scharf rechts.

Über den leicht ansteigenden Höhenzug streben wir zurück zum Wald.

Über den leicht ansteigenden Höhenzug streben wir zurück zum Wald.

Oder, wer zum Moorbahnhof Seeg möchte, kann hier auch links abbiegen und die Rückkehr um gute zwei Stunden abkürzen. Zum Waldhaus und Wanderparkplatz liegen noch einmal gute 90 Minuten Fußmarsch vor uns. Zurück am Rand des Buchenwaldes wählen wir den schmalen Pfad links, der schon bald über die Nordflanke des Senkele in einigen Serpentinen durch dichten jungen Wald bergab führt.

Hinunter in Richtung Waldhaus führt ein schmaler Pfad...

Hinunter in Richtung Waldhaus führt ein schmaler Pfad…

...wo wir am Wegesrand im Herbst lustige "Zeitgenossen" entdecken.

…wo wir am Wegesrand im Herbst lustige „Zeitgenossen“ entdecken.

Wenig später stoßen wir auf die Forststraße, die uns hinunter zur Dreifach-Weggabelung, dann nach links zurück zum Waldhaus und schließlich zum Wanderparkplatz führt. Als wir ihn endlich erreichen, sind wir uns in der hereinbrechenden Dämmerung sicher: Die Erinnerung an die wunderschönen Ausblicke und Natureindrücke wird uns schon bald unsere müden Beine vergessen lassen. Glaubt Ihr nicht? Dann probiert’s einfach aus…

Viel Spaß auf den Naturpfad Senkele wünscht herzlichst,
Eure Renate Carré

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