Freie Republik mit freiem Blick

Wanderung auf den Buch-Gipfel hoch über Zwieselberg bei Roßhaupten im Südlichen Allgäu: Das herrliche Panorama, das sich dort dem Wanderer bietet, wird im Süden beherrscht vom Säuling-Massiv bei #Füssen.

Von Zwieselberg bei Roßhaupten im Südlichen Allgäu führt ein Rundweg auf den Buch-Gipfel, von wo sich Wanderern dieser herrliche Blick nach Süden auf den Säuling bei Füssen bietet.

Wenn man von Roßhaupten aus in Richtung Seeg fährt, weist circa 200 Meter vor dem Ortsausgang ein Wegweiser mit der Aufschrift „Ussenburg, Zwieselberg“ nach links. Wer ihm folgt, gelangt nach zwei Kilometern auf eine Bergkuppe, wo einen abermals ein Wegweiser auffordert, nach rechts in Richtung Zwieselberg zu fahren. Bereits an dieser Stelle tut sich ein gewaltiges Gebirgspanorama vom Ammergauer Gebirge bis zu den Allgäuer Alpen auf. Wir befinden uns an einem jener Plätze im Südlichen Allgäu, der nicht umsonst „Königsloge vor den Alpen“ genannt wird. Es gibt ein paar davon…

Seit fünf Jahren gibt's die Freie Republik Zwieselberg - wie's dazu kam, lest Ihr weiter unten...

Seit fünf Jahren ist Zwieselberg „Freie Republik“ – und Schuld war der Fußball.

Direkt vor einem liegen der Forggensee und etwas darüber das bemerkenswerte Schloss Neuschwanstein. Das  Sträßchen  Richtung Zwieselberg führt vorbei an schönen Moorwiesen, am Waldrand entlang, dann durch ein ganz kurzes Waldstück auf eine freie Wiese – und schon steht man vor dem Ortsschild „Freie Republik Zwieselberg – staatsfreier Bezirk“. Hier lebe ich. Und jeder, der dieses Plätzchen kennt, wird verstehen, warum ich so heftig für das Allgäu, für seine Landschaft und seine Bewohner schwärme.

Diesen Blick habt Ihr auf Vorderzwieselberg, wenn Ihr am Ortsschild steht.

Diesen Blick habt Ihr auf Vorderzwieselberg, wenn Ihr am Ortsschild steht.

Biegt man nun nach rechts ab, gelangt man zum Weiler Vorderzwieselberg. Das sind ein paar Bauernhöfe und  Austragshäuser am Fuße des eigentlichen Berggipfels, dem sogenannten „Buch“. Unser Hof liegt links oben. Er ist vor eineinhalb Jahren abgebrannt, und wir haben ihn wieder in seiner alten Form aufgebaut. Viele Handwerker und Freunde haben uns dabei geholfen, aber ganz besonders unsere Nachbarn, und es war immer eine fröhliche und gute Stimmung auf der Baustelle. Hier habe ich erlebt, dass das Unglück eines solchen Brandes durch das Glücksgefühl, von allen Seiten unterstützt und aufgefangen zu werden, reichlich überboten wird. Ich lebe seit 41 Jahren hier. Und seit ich im Ruhestand bin, bin ich ein leidenschaftlicher Spaziergänger.

Mein Lieblingsweg führt hinter dem rechten oberen Hof vorbei in Richtung Osten. Nach wenigen 100 Metern kommt links ein Stadel (unsere Wasserreserve). Dort teilt sich der Weg: Links führt ein ausgewaschener Fahrweg steil über die Wiese nach oben – schön, wenn man Sonne und Aussicht genießen will, aber unangenehm zu laufen.

Blick vom Gipfelkreuz auf dem "Buch" nach Süden. Auf einer Panoramakarte sind alle Berge benannt, die von hier zu sehen sind.

Blick vom Gipfelkreuz auf dem „Buch“ nach Süden. Auf der Panoramakarte sind alle Berge benannt, die von hier aus zu sehen sind.

Ich folge lieber dem Weg geradeaus hinein in den Buchenwald, bis links vor einem Ruhebänkchen ein schmaler Steig durch den Wald hochführt. Ich liebe diesen Weg. Er gibt einem ein wenig die Illusion des Bergsteigens.

Das Panorama der Ostallgäuer Alpen von der Oberen Alm aus gesehen.

Der Panoramablick auf die Ostallgäuer Alpen von der Oberen Alm.

Nach circa zehn Minuten stößt man oben wieder auf  den Fahrweg, folgt ihm nach rechts und erreicht nach weiteren fünf Minuten das Gipfelkreuz.

Gen Südwesten schweift der Blick auf die Vilstaler Berge.

Gen Südwesten schweift der Blick auf den Säuling bei Füssen und die Vilstaler Berge.

Unten im Bild die Alpe Hinterzwieselberg, dahinter der Säuling und im Osten die Ammergauer Alpen.

Unten liegt die Alpe Hinterzwieselberg, hinten der Säuling, links davon die Ammergauer Alpen.

Die Aussicht ins Gebirge ist einzigartig! Und es gibt dort auch eine Panoramakarte, die Auskunft gibt über Namen und Höhe sämtlicher Gipfel. Von hier aus geht es weiter in Richtung Westen über die Weide bis zum Waldrand, wo man wieder auf einen Waldweg trifft, der immer auf dem Höhenrücken entlang führt, dann eine Kehre nach links macht und wieder in Richtrung Osten nach Vorderzwieselberg  hinunter führt.

Im Südwesten grüßen die Pfrontener Berge mit Aggenstein und Breitenberg zur Oberen Alm.

Von Südwesten grüßen die Pfrontener Berge mit Aggenstein und Breitenberg zur Oberen Alm.

Wer aber noch Lust hat weiterzulaufen (ich habe fast immer Lust!), der wendet sich nicht links, sondern geht geradeaus  über eine Viehweide hinunter in Richtung Westen bis zu einem Wäldchen.  Hier beginnt wieder ein Fahrweg, der nach circa 500 Metern eine scharfe Linkskehre macht. Diesmal folge ich ihm und komme in Hinterzwieselberg heraus, von wo ich dem Teersträßchen nach links folgend nach 500 Metern wieder am Ortsschild der „Freien Republik“ ankomme. Für diese Runde benötige ich etwa eineinhalb Stunden, aber ich gehe sehr gemächlich. Man kann es auch in einer guten Stunde schaffen.

Beim Abstieg vom Buch bietet sich diese herrliche Aussicht nach Westen mit Edelsberg und Alpspitze bei Nesselwang.

Beim Abstieg bietet sich diese Aussicht nach Westen – freier Blick aus der freien Republik!

Das Ortsschild war ein Gag unserer Jugendlichen: Sie ließen es anfertigen, um es als Standarte beim Einzug in ein Fußball-Dorfturnier, für das sie eine eigene Mannschaft gestellt hatten, vor sich herzutragen. Anschließend  pflanzten sie es dort auf, wo es nun seit fünf Jahren steht – und netterweise von der Verkehrsbehörde geduldet wird. Es erfreut sich großer Beliebtheit als Fotomotiv bei Radlern und Wanderern.

Wer nun Lust bekommen hat, hier einen Urlaub zu verbringen, dem kann ich aufs Wärmste die Ferienwohnungen bei meinem Nachbarn Ullrich Eberle empfehlen. Für die Sanierung ihres denkmalgeschützten Bauernhauses hat die Familie übrigens 2013 den Staatspreis für Dorferneuerung und Baukultur der Bayerischen Staatsregierung erhalten. Im Internet ist der Hof zu finden unter „Berghof Eberle“.

 

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Gottfried Schmid-Lindner

Über Gottfried Schmid-Lindner

Über 40 Jahre lang habe ich im Südlichen Allgäu als Tierarzt in Roßhaupten gearbeitet. Seit 18 Jahren bin ich Mitglied im Gemeinderat und dort zurzeit dritter Bürgermeister. Meine Wiege stand auf dem Auerberg, wo ich 1946 als drittes Kind des seinerzeit berühmten Münchner Konzertpianisten, Musikpädagogen und Komponisten August Schmid-Lindner sowie seiner zweiten Ehefrau Erna geboren wurde. 1973 ließ ich mich in Roßhaupten nieder. Die Motivation zum Bloggen hat mir Ursel Jörg von der Gästeinformation ‚untergeschoben‘, weil sie meinte, ich könne ganz gut formulieren. Jetzt bin ich selbst gespannt, welche Geschichten sich bei der neuen Tätigkeit als Blogger ergeben. Denn was sich auf alle Fälle sagen lässt, ist, dass ich durch die vier Jahrzehnte in meinen Beruf als Tierarzt Land und Leute hier im Südlichen Allgäu bestens kennen gelernt habe.

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2 Gedanken zu “Freie Republik mit freiem Blick

  1. Gottfried, als entfernter Nachbar und Kenner von Dir möchte ich behaupten: Du bist der richtige Blogger für Roßhaupten. Du hast deinen Zwieselberg und das Buch so eindrucksvoll beschrieben und bebildert, dass man sich sofort die Wanderschuhe anziehen und loslegen möchte.
    Ich freue mich schon auf einen weiteren Beitrag von dir.
    Übrigens: Wir sind Kollegen – ich habe einen Beitrag über den Roßhauptener Drachenweg im #Allgäuer Alpenblog geschrieben: http://www.allgaeueralpen.com/2013/11/feurige-drach-vom-tiefental/

  2. Liebe freie Zwieselberger! Hallo Herr Schmidt-Lindner,
    falls Sie sich erinnern, bin in 2014 während einer Dienstreise auf dem Zwieselberg bei Ihnen eingekehrt, besten Dank für die freundliche Aufnahme und den Kaffee. Meine Eltern sind als Flüchtlinge 1950 auf dem Linderhof einquartiert worden. Bin im gleichen Jahr in Füssen geboren und war bis 1957 auf dem Linderhof wohnhaft. Damals war Alfons Mair Bürgermeister in Zwieselberg.
    In Kalenderwoche 39/2015 gab es in ARD & ZDF die Themenwoche „Heimat „. Die Frage: „Wo ist Heimat, was ist Heimat?“, stellt sich für jeden. Für mich hat sie sich wie folgt beantwortet:
    Habe mich am 10.10.2015 kurzentschlossen 600 km auf den Weg gemacht, und bin am Sonntag, 11.10.2015, auf den Zwieselberg gestiegen. Das erste Mal seit 48 Jahren. Der herrschende Hochnebel lud leider zu keiner Fernsicht ein, Sichtweite ca. 50 m. Das Nichts-sehen-können löste einen inneren Film mit vielen Bildern aus den sieben früheren Jahren Zwieselberg aus. Nach gut einer Stunde stieg ich dann fröstelnd, aber absolut zufrieden wieder ab und bin am Montag wieder an meinen heutigen Wohnort, Lüdenscheid, zurück gefahren. Die Frage nach meiner Heimat hat sich eindeutig mit dem Zwieselberg beantwortet.
    Habe heute im Netz den BR-Beitrag über die Freie Republik Zwieselberg vom Mai 2015 entdeckt, dieser ist sehr gelungen und bestärkt mich zutiefst in meinen Heimatgedanken.
    Wünsche Ihnen und allen Zwieselbergern eine gute Zeit und Fortbestand dieser einmaligen Verbundenheit unter Ihren Republik-Bewohnern auch in Zukunft.
    Mit den allerbesten Grüßen aus dem Sauerland,
    Wolfgang Menzner

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