Kleiner, feiner Viehscheid in Seeg

Viehscheid 2014 im Honigdorf Seeg im Südlichen Allgäu.

Viehscheid 2014 im Honigdorf Seeg im Südlichen Allgäu.

Viehscheid im Honigdorf Seeg – 2014 gab es ihn zum mittlerweile 37. Mal – hat man mir erzählt. Er ist, wie man so schön sagt, ein kleiner, aber feiner Viehscheid. Das Allgäuer Wort bezeichnet das Ende des Bergsommers (andernorts auch Almabtrieb; oder  Alpabzug in der Schweiz). Gemeint ist der Tag, an dem die Kühe von den Weiden in den Hochlagen zurück ins Tal getrieben werden. Vielerorts ist das mit Festivitäten verbunden. Im Allgäu ist fast den ganzen September hindurch immer irgendwo Viehscheid. So auch bei uns im Südlichen Allgäu, wo es neben dem Seeger Viehscheid auch noch einen im Burgendorf Eisenberg gibt. Dort werden die Tiere von der Schlossbergalm zurück ins Dorf geleitet.

Mehr als vier Kilometer sind's für Kühe und Hirten vom Senkele bis nach Seeg.

Mehr als vier Kilometer sind’s für Kühe und Hirten vom Senkele bis nach Seeg.

Bei uns in Seeg wurden dieses Jahr um die 80 Rinder von der Alpe Beichelstein heruntergetrieben. Die Alpe liegt in herrlicher Lage an der Südflanke vom Höhenzug Senkele…

Die rund 80 Rinder vom Beichelstein erreichen das Dorf.

Die rund 80 Rinder vom Beichelstein erreichen das Dorf.

…rund viereinhalb Kilometer außerhalb von Seeg. Das Jungvieh hatte also eine ganz gute Strecke zu laufen. Die bewirtschaftete Alpe ist übrigens nicht nur bei Einheimischen ein Geheimtipp! Von dort genießt man das herrliche Panorama mit den Pfrontener und Tannheimer Bergen und die fantastische Aussicht in den Königswinkel rund um Füssen.

Die Alpe Beichelstein - mit dem herrlichen Blick auf Säuling und Hopfensee bei Füssen.

Die Alpe Beichelstein – mit dem herrlichen Blick auf Säuling und Hopfensee bei Füssen.

Aber davon werde ich Ihnen ein andermal ausführlich erzählen – also zurück zum Viehscheid. Angeführt von den Alphirten Berti und Conny Hipp erreichte der Zug das Honigdorf.

Conny und Berti Hipp, die Alphirten vom Beichelstein, führen die Kranzkuh durchs Dorf.

Conny und Berti Hipp, die Alphirten vom Beichelstein, führen die Kranzkuh durchs Dorf.

Conny und Berti Hipp, die Alphirten vom Beichelstein, führen die Kranzkuh durchs Dorf. Als Zeichen, dass beim diesjährigen Alpsommer alles gut gegangen ist, tragen die Kranzkuh und auch das Kreuzrind aufwändigen Blumenschmuck. Dass für Kranz- und Kreuzrind wie in Seeg zwei Kühe geschmückt werden, gibt es nicht überall. Bei vielen anderen Viehscheiden läuft nur eine Kranzkuh vorneweg.

Die Kranzkuh hat als Dekoration eine Krone gebunden.

Die Kranzkuh bekommt eine Krone aus Zweigen, Blumen und Beeren gebunden.

Das Kreuzrind trägt – wie in Seeg – dagegen nur ein Kreuz.

Der Kopfschmuck der Kreuzkuh ist Ausdruck der Dankbarkeit für den unfallfreien Bergsommer.

Der Kopfschmuck der Kreuzkuh ist Ausdruck der Dankbarkeit für den unfallfreien Bergsommer.

Den Kranz und die vielen verschiedenen Gestecke für die Kühe hatten dieses Jahr die Damen des Seeger Schützenvereins gebunden. Alphirtin Conny hatte den Blumenschmuck des Kreuzrinds dann noch mit Bergblumen und Beeren geschmückt – passend zu ihrem Dirndl.

Die schmückenden Pflanzen an den Hörnern der Kühe...

Die schmückenden Pflanzen an den Hörnern der Kühe…

...werden von fleißigen Händen eigens für den Viehscheid liebevoll gestaltet.

…werden von fleißigen Händen eigens für den Viehscheid liebevoll gestaltet.

Auch wenn es anfangs noch regnete: Als die Kühe durch das Dorf liefen, kam die Sonne wieder – wie bestellt. Und die Laune stieg von Minute zu Minute…

"Hirtentalk" nennt unser Fotograf Manfred Zinss diese gelungene Aufnahme.

„Hirtentalk“ nennt Manfred Zinss diese Aufnahme – er hat alle Fotos vom Viehscheid gemacht.

Die „Harmoniemusik Seeg“ fuhr in einem eigenen Wagen…

...mit blumengeschmückten Pferden im Zug mit.

…mit blumengeschmückten Pferden im Zug mit.

Dabei war auch ein Käsewagen…

...mit alten Geräten zur Käseherstellung.

…mit alten Geräten zur Käseherstellung.

Und natürlich fuhr…

...ein geschmückter Schellenwagen des Schützenvereins mit.

…ein geschmückter Schellenwagen des Schützenvereins mit.

Die Kuhschellen werden aus Blechen geschmiedet, kleinere Exemplare getrieben.

    Diese Kuh trägt eine große Schelle, deren Klang dumpf und tief ist.

Diese Kuh trägt eine große Schelle, deren Klang dumpf und tief ist.

Im Unterschied dazu sind Kuhglocken aus Metall gegossen…

...und unterscheiden sich von den Schellen im helleren, klareren Klang.

…und unterscheiden sich von den Schellen durch ihren helleren, klareren Klang.

Den Rindern auf den Alpen um den Hals gebunden, signalisiert der Klang der Schellen und Glocken den Hirten (und auch den Bauern im Tal), ob ein Rind auf Abwege geraten ist. Die Schellen vom Wagen der Seeger Schützen wurden später im Bierzelt verlost.

...laufen - herrlicher Weise bei Sonnenschein - durchs Dorf,...

Als der Zug durchs Dorf läuft, empfängt strahlender Sonnenschein die Tiere und Menschen.

Nach etwa zwei Stunden trafen die Rinder mit ihren Hirten am Festplatz ein.

Die Tiere werden von vielen Besuchern begrüßt - und natürlich fotografiert.

Die Tiere werden von vielen Besuchern begrüßt – und natürlich fotografiert.

Dort werden sie an ihre Besitzer verteilt, die sie schließlich in die heimischen Ställe abtransportieren.

Das Vieh wird „abgeschieden“, das heißt: getrennt.

Das Vieh wird „geschieden“, das heißt getrennt.

Deshalb heißt der Festplatz auch Scheidplatz – wovon der Viehscheid wiederum seinen Namen hat.

Und die Hirten und Viehtreiber haben endlich Feierabend - bis zum nächsten Jahr.

Und die Hirten und Viehtreiber haben endlich Feierabend – bis zum nächsten Jahr.

Im Festzelt gab es Allgäuer Kost wie Kesselfleisch mit Sauerkraut oder Schupfnudeln…

...und natürlich frisches gezapftes Bier.

…und natürlich frisches gezapftes Bier.

Dazu spielten die  Schwarzenberg Musikanten und später unsere Harmoniemusik Seeg. Die Feierlichkeiten im Festzelt organisiert zum Viehscheid der Schützenverein. Geschätzte 1000 Besucher waren 2014 in Seeg dabei. Sogar Gäste aus England und Neuseeland habe ich getroffen! Und als ich sie fragte, warum sie denn nach Seeg gekommen sind, dann war die Antwort immer, dass sie einen „urigen“ Viehscheid gesucht haben, bei dem man Platz hat und was sehen kann. „Keine Massenabfertigung, sondern gemütlich soll es sein“, haben sie gesagt. Als Seegerin freut mich natürlich, das zu hören.

Beim Seeger Viehscheid sind die Besucher "mittendrin und live dabei". Das wird geschätzt.

Beim Seeger Viehscheid sind die Besucher „mittendrin und live dabei“. Das wird geschätzt.

In diesem Sinne bis zum Viehscheid 2015!

Herzlichst, Ihre Renate Carré

Fotos: Manfred Zinss

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