„Moorigami“ am Lobach-Radweg

IMG_2422Das Südliche Allgäu eignet sich hervorragend zum Radeln. Und neuerdings sind wir vom ADFC (Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club) als „RadReiseRegion“ zertifiziert worden. Zudem gehört Seeg, das Honigdorf im Allgäu, auch zu den „Moorwelten Allgäu“ – samt dem „Moor-Bahnhof“ und schönen Moorwegen. Dazu kommt nun unser „Moorigami – Naturvielfalt in Seeg“.

Jetzt fragen Sie sich sicher, was das eigentlich heißen soll – „Moorigami“? Das ist doch kein Deutsch…! Der Begriff setzt sich aus zwei Wörtern zusammen: aus „Moor“ und aus „Origami“. Moor brauche ich wohl nicht zu erklären. Und Origami, die meisten wissen es wohl, ist die Bezeichnung für die Kunst des Papierfaltens und stammt ursprünglich aus Japan. Mittlerweile bastelt man gerne in den Kindergärten und Schulen in dieser Technik. Fragen Sie mal Ihre Kinder. Und jetzt stehen seit neuestem seit der Eröffnung der Moorwelten einige Origami-Skulpturen aus Metall an den Moorwegen von Seeg. So kam es zur Bezeichnung „Moorigami“. Dazu passt auch das Wort „Naturvielfalt“ – Origami und unsere Natur, beide sind „viel-fältig“.

Aber genug „g’scheit dahergred‘t“  – ich wollte Ihnen heute die Moorwege einmal „live“ vorstellen. Zwei Wege bin ich geradelt und konnte dabei viele Fotos mit „Naturvielfalt“ machen, die ich Ihnen im Folgenden gerne zeigen möchte. Lassen Sie uns zuerst mit dem „Lobachschleifen“-Radweg beginnen. Eine zweite Runde stelle ich Ihnen in einem extra Beitrag vor – seien Sie gespannt.

Der Moorbahnhof Seeg hat den Bayerischen ÖPNV-Preis für vorbildliche Projekte erhalten.

Der Moorbahnhof Seeg hat den Bayerischen ÖPNV-Preis für vorbildliche Projekte erhalten.

Vom Moorbahnhof bin ich gestartet. Was ich gut finde, ist, dass durch die Zugverbindung die Möglichkeit besteht, bis nach Seeg mit dem Zug zu kommen und von dort aus dann eine schöne Radtour zu starten, ohne erst alles ins Auto zu packen und vielleicht auch noch in einem Stau zu stecken. Im Bahnhofsgebäude befindet sich schon eine übergroße, vielfältig gefaltete Landkarte, unsere erste Origami-Skulptur, auf der alle Wege aufgezeichnet sind. Auch Erklärungen zum Moor sind darauf zu finden.

Moorigami-Landkarte

Die „Moorigami-Landkarte“ im Seeger Bahnhof.

Ebenfalls direkt dort erhältlich sind Prospekte mit den eingezeichneten Radwegen – sehr praktisch, wie ich finde. Draußen vor dem Bahnhofsgebäude steht eine Tafel, auf der beschrieben ist, wer alles im Moor wohnt und lebt.

Die große Moor-Informationstafel ist Start für Wanderungen und Radtouren.

Die große Moor-Informationstafel ist Start für Wanderungen und Radtouren.

Hier beginnen auch die Moorwanderungen, die zwei zertifizierte Moorführer, Otto Schrägle und Hedwig Langhof, in Seeg anbieten und die ich Ihnen ebenfalls wärmstens ans Herz legen kann. Ihre Touren-Termine können Sie bei der Tourismus-Info in Seeg erfragen.

Auch am Moorbahnhof neben den Gleisen wurden Blumenwiesen angelegt

Selbst am Moorbahnhof wurden neben den Gleisen Blumenwiesen angelegt.

Wie lange er wohl schon auf den Zug wartet?

Wie lange er wohl schon auf den Zug wartet?

Vom Moorbahnhof aus führt uns der Weg aus dem Dorf heraus nach Lobach, einem der ältesten Ortsteile von Seeg mit vielen Bauernhöfen. Gar nicht weit weg davon, bei Burk, ist die ehemalige „Seeger Motte“ zu entdecken, eine Erdhügelburg umgeben von einem Wassergraben, einst im Mittelalter der Sitz eines Herrschergeschlechts.

Am Ortseingang von Lobach.

Am Ortseingang von Lobach.

Schöne alte Bauernhöfe säumen den Weg

Schöne alte Allgäuer Bauernhöfe säumen den Weg.

Wir fahren weiter in die Lobacher Viehweide, die geprägt ist durch die vielen Wiesen und einzeln verstreute Bauernhöfe. Von hier bietet sich ein wunderschöner Ausblick auf die Ostallgäuer Alpenlandkette, davor die sanften Hügel, dazwischen Wälder und kleine Straßen – und davor natürlich die typische Silhouette von Seeg.

Auf ruhigen Sträßchen durchfahren wir die Lobacher Viehweide.

Auf ruhigen Sträßchen durchfahren wir die Lobacher Viehweide.

Die Lobach, ein kleiner Zufluss der Wertach, die von Seeg nach Lengenwang fließt, begleitet mit vielen Windungen unseren Weg. Zu ihr gibt es eine weitere Origami-Skulptur in Form einer Landkarte, die uns die „Schleifen“ der Lobach erklärt. Schon als Kind fand ich übrigens faszinierend, wie sich die Lobach hier durch die Landschaft kringelt.

Die Erklärung der "Lobachschleifen" als Skulptur.

Die Erklärung der „Lobachschleifen“ als Skulptur.

Vorbei an herrlichen Blumen- und Moorwiesen und immer dem Lauf Lobach nach sind es nach Lengenwang fünf Kilometer…

... die man angesichts der Naturvielfalt locker schafft...

… die man angesichts der Naturvielfalt locker schafft…

... im "Blumenwiesenmeer" durch die Lobacher Viehweide.

… im „Blumenwiesenmeer“ durch die Lobacher Viehweide.

Ein paar neugierige „Schumpen“ („Teenagerkühe“, wie ich sie gerne nenne, die im Hochdeutschen auch Jungrinder genannt werden) beobachten, wie ich mit meinem E-Bike einen leichten Hügel hochstrample.

"Schumpen-Idylle" pur!

„Schumpen-Idylle“ pur!

Apropos E-Bike: Eine tolle Sache, so ein Rad mit Hilfsantrieb für Leute wie mich, die gerne Radeln, aber nicht immer wieder absteigen und schieben möchten, weil sie vielleicht nicht ganz so fit sind, wie sie vielleicht gerne wären. Ein empfehlenswertes Verkehrs- und Ausflugsmittel. Mir ging es seit der Anschaffung jedenfalls so, denn seither nutze ich mein Rad wieder viel öfters. E-Bikes können übrigens in einem Seeger Sportgeschäft ausgeliehen werden, und auch einige Hotels im Südlichen Allgäu bieten den Verleih an. Die Adressen bekommen Sie in den Tourismus-Infos unserer Tourismusgemeinschaft Südliches Allgäu, auf deren Website es auch Infos zu Ladestationen unterwegs gibt.

Am Waldrand erwartet mich die nächste Moorigami-Station: „Landschaftsgemälde“ – mit dem Blick eines Malers – nennt sie sich. Was das genau heißt, verrate ich hier aber nicht, das müssen Sie schon selbst herausfinden.

Die "Moorigami"-Station "Landschaftsmalerei am Wegesrand".

Die „Moorigami“-Station „Landschaftsmalerei am Wegesrand“.

Gleich daneben entdecke ich am Weg ein paar Bienenstöcke. Die Insekten haben es hier natürlich sehr gut – in der landschaftlichen Idylle erleiden sie keine Störungen, was für eine gute Honigernte Voraussetzung ist.

Selbstverständlich sind rund ums Honigdorf Seeg viele Bienenstöcke aufgestellt.

Selbstverständlich sind rund ums Honigdorf Seeg viele Bienenstöcke aufgestellt.

Nachdem wir kurz einen Wald durchqueren, was natürlich auch mit dem Trekking-Rad funktioniert, fließt schon wieder die Lobach neben uns.

Immer der Beschilderung nach, dann fahren Sie nicht fehl...

Immer der Beschilderung nach, dann fahren Sie nicht fehl…

... und auch so ein Weg ist kein Problem für geübte Radler.

… und auch so ein Weg ist kein Problem für geübte Radler.

Weiter geht's, nach Lengenwang...

Weiter geht’s, nach Lengenwang…

... und da ist sie wieder, die Lobach, wenn auch etwas versteckt.

… und da ist sie wieder, die Lobach, wenn auch etwas versteckt.

Hier gleich ein ganzer "Bienencaravan".

Hier gleich ein ganzer „Bienencaravan“.

Auch diese Vehikel gehören natürlich immer noch zum Südlichen Allgäu.

Auch diese Vehikel gehören natürlich immer noch zum Südlichen Allgäu.

Abendliche Brotzeit für die Kleinen.

Abendliche Brotzeit für die Kleinen.

Schließlich gelangen wir zu einem sehr schön angelegten Badeplatz, der zu einer kleinen „Erfrischung“ in der Lobach einlädt. Die kann ich nur empfehlen, eine kurze Abkühlung tut gut – und schließlich haben wir sie uns ja auch redlich verdient.

Der Lobach-Badeplatz bei Lengenwang.

Der Lobach-Badeplatz bei Lengenwang.

Hier ist der kleine Fluss tief genug, um ein Bad zu nehmen.

Hier ist der kleine Fluss tief genug, um ein Bad zu nehmen.

Danach ein Picknick? Oder sogar Grillen?

Danach ein Picknick? Oder sogar Grillen?

Schließlich geht es erfrischt und gestärkt weiter auf unserer ersten "Moorigami"-Runde.

Schließlich geht es erfrischt und gestärkt weiter auf unserer ersten „Moorigami“-Runde.

Lengenwang ist ein Nachbardorf nördlich von Seeg, das ebenfalls an der Bahnlinie liegt, die das Südliche Allgäu über die Mitgliedsgemeinden Seeg, Eisenberg und Hopferau auf dem Weg nach Füssen durchzieht. Im Radtouren-Prospekt wird vorgeschlagen, mit dem Zug nach Seeg zurückzufahren – was natürlich möglich ist.

Vor Lengenwang bietet sich ein schöner Ausblick auf den Säuling.

Vor Lengenwang bietet sich ein schöner Ausblick auf den Säuling.

Eine der vielen Sitzbänke am Wegesrand, die zu einem Päuschen einladen.

Eine der vielen Sitzbänke am Wegesrand, die zu einem Päuschen einladen.

Was es beim Vorbeiradeln alles zum Sehen gibt, begeistert mich immer wieder.

Was es beim Vorbeiradeln alles zum Sehen gibt, begeistert mich immer wieder.

Aber ich selbst nehme am liebsten den Radweg, der von Lengenwang zurück nach Seeg führt. Er verläuft zwar neben einer Hauptstraße, und vielleicht findet das nicht jeder angenehm. Mich stört es aber nicht, weil die permanente Aussicht auf mein Heimatdorf Seeg und die Alpengipfel am Horizont wunderschön von den Autos ablenkt. Außerdem ist der Radweg großzügig und sicher ausgebaut.

Diese Aussicht auf Seeg und die Berge begleitet uns auf dem Rückweg.

Diese Aussicht auf Seeg und die Berge begleitet uns auf dem Rückweg.

Es gibt außerdem auch noch einen Weg weiter östlich über den Weiler Kirchthal auf Feldwegen zurück nach Seeg, der auch schön zu fahren ist.

Wer sich das alles noch genauer anschauen möchte, findet im Internet unter www.moorwelten-allgaeu.de reichlich Informationen.

Die Lobachschleifen-Tour kann ich wärmstens empfehlen, egal ob für Einheimische oder für Gäste, ich glaube, sie gefällt allen. Bis auf den Rückweg ist man fast immer nur auf kleinen Straßen und Feldwegen unterwegs, mitten in der Natur, mit wunderschönen Ausblicken auf die Alpen und unsere Landschaft.

Samt Rückfahrt umfasst die Runde insgesamt rund 20 Kilometer und dauert etwa zwei bis zweieinhalb Stunden reine Fahrzeit. Mir kam sie überhaupt nicht so lange vor. Planen Sie auf jeden Fall genügend Zeit ein, denn es lohnt sich, immer wieder mal abzusteigen und die Umgebung anzuschauen. Dem zweiten Radweg, dem „Fünf-Moorseen-Wanderweg“, werde ich meinen nächsten Bericht widmen. Also: Fortsetzung folgt!

Bis dahin – Ihre Renate Carré

5 Gedanken zu “„Moorigami“ am Lobach-Radweg

  1. Hallo Renate! Dein Beitrag über die Moorigami-Radrunde Lobachschleifen finde ich super! Ich bin selbst schon zu Fuß hier unterwegs gewesen und kann nur bestätigen, wie schön die Runde ist! Deine Bilder sind klasse! Da macht es gleich Lust, raus auf Entdeckungsreise zu gehen!
    Mich freut es schon sehr auf den zweiten Teil!

  2. Liebe Renate wieder ein toller Beitrag, ich kenne es nur vom Wandern. Wunderschöne Bilder, Du bist eine Künstlerin.

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