Wenn’s Nacht wird in Seeg…

Blick zur Seeger Pfarrkirche St. Ulrich auf dem Weg zum Heimatmuseum

Wolkenverhangener Himmel über St. Ulrich in Seeg – die Museumsnacht bricht an…

… dann veranstaltet der Museumsverein in unserem Honigdorf seine Museumsnacht. Und zwar immer im August. Dieses Jahr war’s am 3. August hier im Südlichen Allgäu wieder soweit. Die Museumsnacht ist eine kleine urige Veranstaltung, richtig gemütlich. Gäste und Einheimische kommen immer gerne dazu. Obwohl es dieses Jahr immer wieder geregnet hat, waren viele Besucher da. Es wird ja auch einiges geboten in unserem Seeger Heimatmuseum. Davon will ich ein bisschen erzählen.

Dieses Jahr konnten die Kinder mit Edelka Christiansen, unserer Seeger Jungimkerin und Fitnesstrainerin, ihre eigenen Badeseifen basteln.

Die Seifenherstellung stieß auf großes Interesse.

Nach diesem Auflauf wird in den kommenden Wochen gerne mit Seife gebadet.

Die Seifen wurden nicht gesiedet, sondern aus einer festen Masse von den Kindern geformt – als Kugel, rechteckig oder als Herz – und dann noch mit Blüten beklebt. Die Ergebnisse sahen so aus wie Badeseifen oder Badebomben, die sich einfach im Badewasser auflösen.

Hans Nigg, langjähriges Mitglied im Seeger Trachtenverein D’Lobachtaler, hatte viel Interessantes über die Herstellung von Alphörnern zu erzählen.

Alphornfertigung ist Robert Niggs Passion. Bei der Museumsnacht gab er Einblicke.

Alphörner sind Hans Niggs Passion. Bei der Museumsnacht gab er Einblicke.

Bei Rudolf Wagner konnten die Museumsnacht-Gäste zusehen, wie ein Fleckerlteppich auf dem Webstuhl entsteht.

Fleckerlteppiche dürfen in keinem Allgäuer Haus fehlen - Robert Wagner zeigt am Webstuhl, wie sie entstehen.

Fleckerlteppiche sind Allgäu pur – Rudolf Wagner zeigt am Webstuhl, wie sie gefertigt werden.

Ein alter Gusseisen-Backofen wurde angefeuert, um die Semmeln für die feinen Seeger Honigsemmeln und die würzigen Schmalzbrötchen knusprig zu backen.

Am Gusseisernen Ofen muss es flott gehen, damit die Seeger Honigsemmeln gelingen.

Am gusseisernen Ofen muss es flott gehen, damit die Seeger Honigsemmeln gelingen.

Und in einem Schulzimmer war das alte Handwerk des Klöppelns zu bestaunen.

Ein Spitzendeckchen wird "live" geklöppelt.

Ein Spitzendeckchen wird „live“ geklöppelt.

Klöppeln ist übrigens eine Handarbeitstechnik, bei der mittels Klöppel (spindelförmigen, meist aus Holz gefertigtne „Spulen“) und dem daran aufgewickelten Garn verschiedene Spitzen gefertigt werden. Das ist eine alte Kunst, und es gibt nicht mehr viele, die wissen, wie das geht.

Anni Baudrexel ist die Klöppelkünstlerin, die ihr Handwerk im Heimatmuseum vorführte.

Anni Baudrexel ist die Klöppelkünstlerin, die ihr Handwerk im Heimatmuseum vorführte.

Auch draußen war etwas geboten. Der Schmied stellte zur Begeisterung der Kinder Nägel her, die sie als „Souvenir“ mit heimnehmen durften.

Schmied Josef Kiderle ist der 2. Bürgermeister von Seeg - seine Nägel bringen natürlich Glück.

Schmied Josef Kiderle ist 2. Bürgermeister von Seeg – natürlich bringen seine Nägel Glück.

Und Theo Rinderle, ein Mitglied des Museumsvereins, zeigte uns, wie man „Deicheln“ herstellt.

Theo Rinderle beherrscht noch die Herstellung von Deicheln - Wasserleitungen aus Holz.

Theo Rinderle beherrscht noch die Herstellung von Deicheln – Wasserleitungen aus Holz.

Deicheln waren früher Wasserleitungen aus Holz. Sie werden aus Holzstämmen hergestellt, die mit ganz speziellem Werkzeug ausgehöhlt werden.

Mit einem speziell geschmiedeten Werkzeug werden die Stämme ausgehöhlt.

Mit einem speziell geschmiedeten Werkzeug werden die Stämme ausgehöhlt.

Für diejenigen, die so was noch nicht kennen, habe ich dazu einige Fotos gemacht, damit Sie sich das vorstellen können.

Das Kernholz wird aus den Baumstämmen für die Deicheln quasi geschält.

Das Kernholz wird aus den Baumstämmen für die Deicheln quasi geschält.

Die Herstellung einer solchen Holzröhre verlangte von den Handwerkern großes Geschick. Um eine Holzröhre herzustellen, musste der Holzstamm von beiden Seiten aufgebohrt werden, was eine genaue Führung verlangte. Der Bohrer musste exakt waagerecht geführt werden. Die hohlen Baumstämme wurden anschließend mit beiderseits in das Stirnholz eingeschlagenen Metallringen verbunden, den so genannten Deichelringen. In Seeg wurden diese Deicheln bis 1882 verwendet.

So sieht eine Deichel aus, die in Gebrauch war, durch die Wasser floss.

So sieht eine Deichel aus, die in Gebrauch war, durch die Wasser floss.

Danach ging es weiter: Theo Rinderle zeigte uns die Kunst des „Dengelns“… – was? Das kennen Sie auch nicht? Das ist eigentlich nichts anderes als das Schärfen einer Sense, bei dem diese zu einer dünnen, scharfen Schneide durch Hämmern ausgetrieben wird.

Theo Rinderle beim Dengeln einer Sense, die so wieder scharf und schleifbar wird.

Theo Rinderle beim Dengeln einer Sense, die so wieder scharf und schleifbar wird.

Die erzeugte Schneide wird dann „Dangel“ genannt. Auch davon hab‘ ich Fotos gemacht, denn auch das ist etwas, was heutzutage nicht mehr oft gemacht wird. Als die Sense dann genug „gedengelt“ worden war, ging’s ab auf die Heimatmuseumswiese neben unserem Bienenhaus, wo gesenst wurde.

Grasschnitt auf der Wiese beim Heimatmuseum nach althergebrachter Art.

Grasschnitt auf der Wiese beim Heimatmuseum nach althergebrachter Art.

Bei Theo hat das ganz leicht ausgesehen. Aber er meinte: „‚Alles, was so leicht aussieht, ist langjährige Erfahrung…“ Und da kann er wohl recht haben. Ich hab‘ das Sensen auch ausprobiert, und man muss schon ein bißchen üben, damit das so locker von der Hand geht. Zum Schluss wurde das frisch gemähte Gras auf „Hoinze“ oder „Heinzen“ abgelegt – zum Trocknen.

Theo Rinderle schichtet das frische Gras zum Trocknen auf die Hoinzen.

Theo Rinderle schichtet das frische Gras zum Trocknen auf eine Hoinze.

Ganz ehrlich, ich musste soeben mal nachschauen, was das eigentlich im Hochdeutschen heißt, ich kenne das nur im Dialekt, gibt es sowas überhaupt in Norddeutschland? Laut Wikipedia heißt es „Heureiter“ auf Hochdeutsch und wird so beschrieben: „Heureiter sind verschiedene Arten von Holzgestellen, auf denen vor dem Aufkommen von maschinenunterstützter Landwirtschaft frisch geschnittenes, abgetrocknetes Gras zum vollständigen Trocknen aufgehängt wurde.“ Was, sagt Ihnen gar nichts? Deshalb habe ich auch ein Foto dazu gemacht…

Unser Heimatmuseum in Seeg ist in der alten Schule beheimatet - links unser hölzerner Honigbär.

Das Heimatmuseum in Seeg ist in der alten Schule untergebracht, links unser hölzerner Honigbär.

…und ich glaube, es wäre vielleicht doch eine Idee, wenn Sie mal bei uns ins Honigdorf kommen und unser Heimatmuseum besuchen. Dann können Sie sich all das anschauen. Denn außer den vielen Handwerkern, die an diesem Abend da waren, gibt es noch viele andere alten Dinge zu sehen…

...wie diese Beuten, Bienenstöcke aus früherer Zeit...

…wie diese Beuten, Bienenstöcke aus früherer Zeit…

...oder eine hölzerne Honigschleuder.

…oder eine hölzerne Honigschleuder.

Dazu Gerätschaften von der Feuerwehr,…

Die Spritze im Feuerwehrzimmer vom Heimatmuseum Seeg.

Die Spritze im Feuerwehrzimmer vom Heimatmuseum Seeg.

…aus einer Käserei, eine alte Stube…,

Die alte Bauernstube im Heimatmuseum von Seeg.

Die alte Bauernstube im Heimatmuseum von Seeg.

…ein Turmuhrwerk der Familie Barnsteiner…,

Das Turmuhrwerk zählt zu den absoluten Kostbarkeiten des Seeger Museums.

Das Turmuhrwerk zählt zu den absoluten Kostbarkeiten des Seeger Museums.

…ein historisches Schulzimmer usw. usw.

Das Schulzimmer von anno dazumal.

Das Schulzimmer von anno dazumal,…

... in dem ein Schulheft aus dem Jahr 1915 aufliegt.

… in dem ein Schulheft aus dem Jahr 1915 aufliegt.

Ich kann gar nicht sagen, was mir dort am besten gefällt, denn jedes Zimmer im Museum zeigt Interessantes aus der Vergangenheit…

...beispielsweise auch historisches Schuhwerk.

…beispielsweise historisches Schuhwerk und Wanderausrüstung…

...oder alte Skier...

…oder alte Skier…

... - denn schließlich kamen mit Mariele und Irene Epple zwei Weltklasse-Skirennläuferinnen aus Seeg.

… schließlich sind Mariele und Irene Epple zwei Ex-Weltklasse-Skirennläuferinnen aus Seeg.

Zuvor war das Gebäude übrigens die Schule in Seeg. Ich ging dort hin als Kind, und meine Mutter war dort – seit 1897 steht es, dieses wunderschöne Dorfschulhaus. So hat wohl halb Seeg in dieser Schule gelernt, was natürlich auch Erinnerungen mit sich bringt, wenn man in bestimmte Zimmer zurückkommt,…

... in denen alte Seeger Tracht an noch frühere Zeiten erinnert.

… in denen alte Seeger Tracht an noch frühere Zeiten erinnert.

Aber genug von alten Zeiten geredet – ich will Ihnen einfach gerne ans Herz legen, mal einen Abstecher in unser Seeger Heimatmuseum zu machen, wenn Sie zu Besuch im Südlichen Allgäu sind. Ganz gleich ob mit oder ohne Museumsnacht! Die ehrenamtlichen Mitglieder des Museumsvereins…

...von denen Sie hier ein paar sehen...

…von denen Sie hier ein paar sehen…

…sind ganz hervorragende Begleiter bei einem Rundgang und können Ihnen ganz viel erzählen. Und wenn Sie im Sommer kommen: Werfen Sie bitte einen Blick auf unsere neu angelegte Blumenwiese hinterm Museum, auf der unsere Bienen reichlich Nahrung finden.

Mit einer speziellen Saat wurde die Blumenwiese für die Seeger Bienen im Jahr 2014 angelegt.

Mit einer speziellen Saat wurde die bunte Blumenwiese für die Bienen im Jahr 2014 angelegt.

Bis demnächst – Ihre
Renate Carré

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Renate Carré

Über Renate Carré

„Mit Leib und Seele Allgäuerin“, fällt mir spontan ein, wenn man mich fragt, wer ich denn sei. Obwohl ich schon viel „umeinandergekommen“ bin, wie man bei uns so schön sagt – der Bezug zur Heimat ist ein ganz besonderer. Ich wohne mit meiner Familie in Seeg, dem Honigdorf im Allgäu. Schon früh hat mich die Dorfgeschichte interessiert, und vor ein paar Jahren habe ich dann die Gelegenheit genutzt und eine Ausbildung als „Kulturführerin“ abgeschlossen. Seitdem gebe ich Dorfführungen für interessierte Gäste und Einheimische, und auch im Burgenmuseum in Reutte/Tirol oder auf Burg Ehrenberg bin ich aktiv dabei. Ich bin in der Vorstandschaft vom Tourismusverein Seeg sowie im Bürgerforum Seeg und arbeite ehrenamtlich in der Pfarr- und Gemeindebücherei. Wenn es darum geht, Leute fürs Allgäu zu begeistern, bin ich immer dafür zu haben. Auch durch meine Mitarbeit hier in diesem Blog.

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2 Gedanken zu “Wenn’s Nacht wird in Seeg…

  1. Hallo, ich selbst war schon in dem Museum. Es ist richtig gut
    aufgemacht. Wir freuen uns, bald wieder nach Seeg zukommen. Das Personal ist
    sehr freundlich und hilfsbereit, wenn man Fragen hat.

    Bis bald
    Klemens Alter

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