Zu Besuch bei den Welfen

Das Welfenmünster in Steingaden, ein geschichtsträchtiger Ort in unmittelbarer Nachbarschaft vom Südlichen Allgäu.

Das Welfenmünster in Steingaden ist ein geschichtsträchtiger Ort in unserer Nachbarschaft.

Zum Muttertag haben wir einen Besuch bei den „Nachbarn“ gemacht: Wir sind nach Steingaden gefahren. Die Ortschaft gehört bereits zu Oberbayern und ist nur einige Fahrminuten vom Südlichen Allgäu entfernt. Ein wunderschönes Ausflugsziel! Nach einem typisch bayerischen Mittagessen in einem der zahlreichen gemütlichen Gasthäuser haben wir mit Kind und Kegel das Welfenmünster besucht. Es war vor der Säkularisation bis 1803 die Kirche des ehemaligen Prämonstratenser-Klosters von Steingaden.

Das Welfenmünster war die Klosterkirche der Prämonstratenser-Mönche.

Das Welfenmünster war die Klosterkirche der Prämonstratenser-Mönche.

Diese Kirche fasziniert mich immer wieder. Jeder Teil der Kirche kann eine andere Geschichte erzählen. Gerade dieser „Mischmasch“ verschiedener Baustile macht sie für mich besonders.

Bauelemente mehrerer Stilepochen sind im Welfenmünster vereint

Bauelemente mehrerer Stilepochen sind im Welfenmünster vereint

Das Welfenmünster schaut nicht so perfekt aus wie die berühmte und als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannte Wieskirche, die nur wenige Kilometer von Steingaden entfernt ist. Aber es wirkt – für mich – dadurch umso lebendiger. Kurzum, mir gefällt die Klosterkirche einfach. Ein Teil des Klosters war sie, gestiftet von Welf VI. im 12. Jahrhundert, vor der Teilnahme an einem Kreuzzug ins Heilige Land.

Bildnis des Klosterstifters, Welf IV.

Bildnis des Klosterstifters, Welf VI.

Das Adelsgeschlecht der Welfen hat unsere Region im Mittelalter besiedelt und urbar gemacht.

Das Welfenmünster wurde im romanischen Stil begonnen.

Romanische Säulen aus der Gründerzeit des Klosters.

Die romanischen Säulen…

...stammen aus der Gründerzeit des Klosters.

…stammen aus der Gründerzeit des Klosters.

Später wurde in der Gotik weitergebaut. Die Johanneskapelle gleich beim Eingang…

Blick in die Kapelle, die dem Heiligen Johannes geweiht ist.

Blick in die Kapelle, die dem Heiligen Johannes geweiht ist.

…sowie der wunderschöne restliche Kreuzgang, nach dem Eingang rechts, stammen aus dieser Zeit.

Der herrliche Kreuzgang des einstigen Klosters.

Der herrliche Kreuzgang des einstigen Klosters.

Dann im Renaissance-Stil die „Welfen-Genealogie“ in der Vorhalle.

Der Stammbaum des Adelsgeschlechts der Welfen.

Der Stammbaum des Adelsgeschlechts der Welfen.

Und natürlich im Barock der Chorraum und im Rokoko-Stil die Orgel.

Die barocke Pracht im Kirchenschiff des Welfenmünsters zu Steingaden.

Die barocke Pracht im Kirchenschiff des Welfenmünsters zu Steingaden…

...und die farbenprächtigen Fresken lohnen besondere Aufmerksamkeit.

…und die farbenprächtigen Fresken lohnen der besonderen Aufmerksamkeit.

Immer wieder mal ist die Kirche abgebrannt, wurde wieder aufgebaut. Ja, sie könnte uns wahrscheinlich ganz schön was erzählen.

Auf dem Friedhof neben dem Welfenmünster, nahe der Vorhalle, liegt übrigens der berühmte Stuckateur und Rokokobaumeister Dominikus Zimmermann (1685-1766), Erbauer der Wieskirche. Seine architektonische Ausbildung hat er bei Johann Jakob Herkomer (1652-1717) erhalten, der im Weiler Sameister bei Roßhaupten bei uns im Südlichen Allgäu begraben liegt. Seine selbst entworfene Grabkapelle ist dort einen Besuch wert. Und seine Eltern kommen wiederum ursprünglich aus „meinem“ Honigdorf Seeg.

Was mir im Steingadener Kloster auch sehr gut gefällt, das sind die Reste eines Kreuzgangs, der Westflügel, um 1200 erbaut mit einem gotischen Netzrippengewölbe.

Das gotische Netzrippengewölbe ist beinahe 800 Jahre alt.

Das gotische Netzrippengewölbe ist rund 800 Jahre alt.

Das schaut so wunderschön aus, und man kann sich sehr gut vorstellen, wie die Mönche dort früher gewandelt sind.

Der Kreuzgang, in dem die Prämonstratenser-Mönche wandelten und Andacht hielten.

Der Kreuzgang, in dem die Prämonstratenser-Mönche betend wandelten und Andacht hielten.

In der Mitte dieses Ganges befindet sich auch die Brunnenkapelle, die dem Heiligen Silvester geweiht ist. Sie gilt im südbayerischen Raum als einzigartig, und zusammen mit dem Kreuzgang stellt sie ein Juwel spätmittelalterlicher Baukunst dar.

 

Das Innere der sehenswerten Brunnenkapelle.

Das Innere der sehenswerten Brunnenkapelle.

Wenn Sie dort einmal vorbei schauen, laufen sie auf jeden Fall diesen Gang entlang. Man spürt heute noch die spirituelle Ausstrahlung. Zuvor war der Kreuzgang vierflügelig und umschloss das „Kreuzgartel“ – Gott sei Dank blieb ein Teil trotz Säkularisation noch erhalten.

Ein "Pflicht-Abstecher" ist der Klostergarten in Steingaden.

Ein „Pflicht-Abstecher“ ist der Klostergarten in Steingaden.

Zum Abschluss gehe ich dann immer noch gerne in den „Klostergarten“. Er wurde 2008 neu angelegt.

Die Beete werden liebevoll gepflegt.

Die Beete werden liebevoll gepflegt.

Jedes Mal, wenn ich wieder vorbeikomme, entdecke ich Neues – neue Kräuter, Blumen, Heilpflanzen…

Die Kräuter und Heilpflanzen werden auf kleinen Schildern erklärt.

Die Kräuter und Heilpflanzen werden auf kleinen Schildern erklärt…

...oder erfreuen mit Blütenpracht das Auge.

…oder erfreuen mit Blütenpracht das Auge.

…aber auch Ruhebänke und Tische…

Ein stiller Ort zum Verweilen und zur Besinnung.

Ein stiller Ort der Besinnung lädt zum Verweilen ein.

sowie ein Umgangslabyrinth.

In der Ruhe des Klosters seine Kreise ziehen.

In der Ruhe des Klosters seine Kreise ziehen.

Also, wenn Sie im Südlichen Allgäu sind – ein Besuch in Steingaden lohnt sich.

Herzlichst, Ihre Renate Carré

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Renate Carré

Über Renate Carré

„Mit Leib und Seele Allgäuerin“, fällt mir spontan ein, wenn man mich fragt, wer ich denn sei. Obwohl ich schon viel „umeinandergekommen“ bin, wie man bei uns so schön sagt – der Bezug zur Heimat ist ein ganz besonderer. Ich wohne mit meiner Familie in Seeg, dem Honigdorf im Allgäu. Schon früh hat mich die Dorfgeschichte interessiert, und vor ein paar Jahren habe ich dann die Gelegenheit genutzt und eine Ausbildung als „Kulturführerin“ abgeschlossen. Seitdem gebe ich Dorfführungen für interessierte Gäste und Einheimische, und auch im Burgenmuseum in Reutte/Tirol oder auf Burg Ehrenberg bin ich aktiv dabei. Ich bin in der Vorstandschaft vom Tourismusverein Seeg sowie im Bürgerforum Seeg und arbeite ehrenamtlich in der Pfarr- und Gemeindebücherei. Wenn es darum geht, Leute fürs Allgäu zu begeistern, bin ich immer dafür zu haben. Auch durch meine Mitarbeit hier in diesem Blog.

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