Der Funken treibt den Winter aus

Der Funken ist aufgeschichtet, die Funkenhexe hängt an der Stange, die Dämmerung sinkt langsam nieder aufs Südliche Allgäu, die Spannung wächst... - so war's 2014 am Funkensonntag in Seeg.

Der Funken ist aufgeschichtet, die Funkenhexe hängt an der Stange, die Dämmerung sinkt langsam aufs Südliche Allgäu, die Spannung steigt… – so war’s 2014 am Funkensonntag in Seeg.

Dieses Jahr waren wir wieder mal auf dem „Funken“ in Seeg. Da gehe ich gerne hin. Es herrscht dort immer eine gute Stimmung – man trifft sich mit den Seegern und schaut gemeinsam, wie das Funkenfeuer abbrennt und der Winter „ausgetrieben“ wird aus dem Südlichen Allgäu.

...und dann hat's gebrannt und Jung und Alt hatten ihre Freude.

…und dann hat’s gebrannt und Jung und Alt hatten ihre Freude.

Das Funkenfeuer (kurz: Funken) ist ein alter Feuerbrauch, der heute noch im schwäbisch-alemannischen Raum verbreitet ist. Jedes Jahr am Funkensonntag werden die so genannten Funken abgebrannt. Mit Funkensonntag bezeichnet man den ersten Sonntag nach Aschermittwoch, also den ersten Fastensonntag.

Vom Funkenplatz an der Ferdinandshöhe sieht man auch zur Seeger Pfarrkirche St. Ulrich hinüber. Wegen ihrer Rokoko-Gestaltung im Innenraum wird sie auch "kleine Wies" genannt.

Vom Seeger Funkenplatz an der Ferdinandshöhe sieht man hinüber zur Pfarrkirche St. Ulrich. Gedanken kommen auf über die Ursprünge des Feuerbrauchs, vielleicht in vorchristlicher Zeit…

Dieses Jahr war der Funkensonntag am 9. März. An diesem Tag endet an manchen Orten die alte Fastnacht, in anderen Gegenden, zum Beispiel in Basel in der Schweiz, beginnt sie dagegen am darauffolgenden Montag. Der Volkskundler Matthias Zender führt in einer europaweiten Untersuchung von Feuerbräuchen das Abbrennen des Feuers am Funkensonntag auf noch heute in Oberitalien gebräuchliche Feuer zum römischen Jahresanfang am 1. März zurück.

Gewaltig lodern die Flammen in den schwarzen Nachthimmel.

Gewaltig lodern die Flammen in den schwarzen Nachthimmel.

An diesem Tag wurde im alten Rom im Tempel der Vesta das heilige Feuer entzündet. Die Feier soll später, im frühen Mittelalter, in den christlichen Kalender integriert worden sein. Der Ursprung wäre danach zwar ein heidnischer, aber römischer Brauch gewesen. Doch egal, wo er herstammt – es ist wohl ein sehr alter Brauch und mir gefällt er gut.

Der Funken wird entzündet.

Die ersten Funken schlagen in den Nachthimmel.

Bei uns im Honigdorf Seeg wird das gesammelte Holz zum Funkenplatz gebracht und zu einem Holzturm, dem Funken aufgeschichtet, der nach Einbruch der Abenddämmerung unter den Augen der Dorfbevölkerung angezündet wird.

Die Zuschauer im Lichte des Feuerscheins.

Viele aus dem Dorf sind am Funkensonntag abends auf den Beinen.

Üblicherweise wird der Funken jedes Jahr an der gleichen Stelle aufgeschichtet, bevorzugt auf den Anhöhen und Bergkuppen außerhalb der Dörfer, damit er weithin sichtbar ist.

Wie gesagt, weithin sichtbar...!

Wie gesagt, weithin sichtbar…!

In Seeg kümmert sich unser Trachtenverein „D’Lobachtaler“ darum, dass wir einen schönen Funken haben. Er wird zwischen Ferdinandshöhe und Skilift aufgebaut, da hat man eine schöne Aussicht und kann den Funken schon von weitem sehen.

Der Seeger Funkenplatz vom Weg hoch zur Ferdinandshöhe gesehen.

Der Seeger Funkenplatz vom Weg hoch zur Ferdinandshöhe gesehen.

So "grün" wie 2014 war's am Funkensonntag lange nicht.

So „grün“ wie 2014 war’s am Funkensonntag lange nicht.

In der Mitte des Holzstoßes wird am Ende die „Funkenhex“ an einer Stange montiert.

Unsere Funkenhex 2014.

Unsere Funkenhex 2014.

Sie ist aus Stroh gebunden und mit alten Lumpen bekleidet. Die Seeger Trachtenjugend hat jedes Mal einen Heidenspaß daran, eine Funkenhex zu basteln.

Da liegt sie da, die Funkenhex...

Da liegt sie da, die Funkenhex…

...und wird für ihren "Auftritt" präpariert...

…und wird für ihren „Auftritt“ präpariert…

...wobei Jung und Alt ihren Spaß haben.

…wobei Jung und Alt ihren Spaß haben.

Am Sonntagvormittag, nach der Kirche, bringen die Vereinsmitglieder Holz in allen Variationen.  Da gibt es alte Holzpaletten, Baumreste oder sogar den ein oder anderen Weihnachtsbaum, der übrig geblieben ist. Alles wird angekarrt, damit wir einen großen Funken bekommen, und ich freue mich schon auf den kommenden Abend.

Alles was weg muss und brennt!

Alles was weg muss und brennt!

Fleißig sind sie, unsere Trachtler.

Fleiß muss belohnt werden!

Fleiß muss belohnt werden!

In der Nähe neben dem Funken, haben sie eine kleine Hütte aufgebaut, da gibt es auch etwas für Leib’ und Seele, das macht das Ganze noch gemütlicher.

Die Hütte steht, denn Brotzeit gehört auch dazu - vorher für die Trachtler, abends für alle Zaungäste.

Die Hütte steht, Brotzeit gehört schließlich dazu – vorher für die Helfer, abends für alle Zaungäste.

Und ganz speziell für diesen Abend haben die Damen des Trachtenvereins sich daheim in die Küchen gestellt, um die traditionellen „Funkenküchle“ zu backen, die es nur an diesem Tag gibt.

Hausgemachte Seeger Funkakiachle

Hausgemachte Seeger Funkakiachle

Auch „Ausgezogene“ genannt, werden sie in heißem Fett herausgebacken. Mit oder ohne Rosinen. Das ist was Feines – müssen Sie unbedingt ausprobieren! Bei mir kommen Kindheitserinnerungen auf, meine Oma hat die „Funkakiachle“ immer gemacht für uns Kinder, und dazu gab es eine Tasse Milch.
Ich habe Ihnen nachfolgend ein Rezept dazu aufgeschrieben, vielleicht bekommen Sie nach dem Lesen ja Lust, es auszuprobieren. Damit dieser Brauch in Seeg nicht verloren geht, hat sich unser Trachtenverein etwas Besonderes einfallen lassen. Den jungen „Fehla“ (Mädchen) wird gezeigt, wie man diese „Kiachle“ bäckt, damit das Rezept nicht in Vergessenheit gerät und die Tradition der alten Allgäuer Küche weiterlebt. Doch zurück zum Funken…

...denn das Feuer ist ja die Hauptsache...

…denn das Feuer ist ja die Hauptsache…

…je nachdem, ob das Holz trocken genug ist, fängt der Holzturm an zu brennen. Manchmal dauert es ein bisschen, und das Feuer muss immer wieder neu angefacht werden. Aber dieses Jahr ging es schnell.

Der Funken hat Feuer gefangen.

Der Funken hat Feuer gefangen.

Rundherum standen die Seeger, und wir schauten alle zu, wie das Feuer sich langsam hoch fraß bis zur Funkenhex – bis sie zu brennen anfing. Die Kinder waren ganz beigeistert und klatschten und sprangen um den großen Feuerscheit.

"Feurige" Atmosphäre.

„Feurige“ Atmosphäre.

Die Erwachsenen standen dabei, und so manch einer lässt vielleicht nochmals den Winter Revue passieren. Mit Glühwein, Bier, Limo oder Wienerle im Semmel und natürlich nicht zu vergessen mit dem ein oder anderen „Funkakiachle“ und geselligem Miteinander verbrachten wir einen gemütlichen Abend. Der Winter ist vertrieben und der Frühling kann ins Südliche Allgäu kommen!

Genießt es - die Funkakiachle schmecken nicht nur am ersten Fastensonntag.

Genießt es – die „Funkakiachle“ schmecken nicht nur am ersten Fastensonntag.

Rezept für Funkenküchle
1/8 l Milch
500 g Mehl
40 g Hefe
80 g Zucker
70 g Butter
2 Eier
und wer mag Rosinen
1 Prise Salz und ein wenig Zucker oder Zimtzucker zum Bestreuen der fertigen Küchle.
Man lässt die Hefe in ein wenig lauwarmer Milch gehen, gibt sie dann mitten in das mit dem Zucker vermischte Mehl und lässt den Teig ca. 30 Min. gehen. Dann kommen Butter, Eier und die übriggebliebene Milch sowie die Prise Salz dazu. Man verknetet alles gut miteinander bis der Teig Blasen wirft.
Nun lässt man ihn nochmals eine Stunde gehen und schneidet dann große, ovale Stücke ab, die man auf ein mit Mehl bestreutes Brett setzt und wieder eine halbe Stunde gehen lässt.
Anschließend zieht man den Teig unter ständigem Drehen von der Mitte her nach außen, so dass sich außen ein gewölbter, dicker Rand bildet, das runde Innenfeld aber hauchdünn bleibt (daher „Ausgezogene“). Die Küchle müssen sofort im schwimmenden Fett herausbacken und noch heiß mit Zucker oder Zimtzucker bestreut werden.

Guten Appetit und viel Spaß beim Ausprobieren wünscht Ihnen
Ihre Renate Carré
Funken-Fotos: Manfred Zinss

 

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Familie, Kultur, Natur, Winter und verschlagwortet mit , , , , , , , , , , von Renate Carré. Permanenter Link zum Eintrag.
Renate Carré

Über Renate Carré

„Mit Leib und Seele Allgäuerin“, fällt mir spontan ein, wenn man mich fragt, wer ich denn sei. Obwohl ich schon viel „umeinandergekommen“ bin, wie man bei uns so schön sagt – der Bezug zur Heimat ist ein ganz besonderer. Ich wohne mit meiner Familie in Seeg, dem Honigdorf im Allgäu. Schon früh hat mich die Dorfgeschichte interessiert, und vor ein paar Jahren habe ich dann die Gelegenheit genutzt und eine Ausbildung als „Kulturführerin“ abgeschlossen. Seitdem gebe ich Dorfführungen für interessierte Gäste und Einheimische, und auch im Burgenmuseum in Reutte/Tirol oder auf Burg Ehrenberg bin ich aktiv dabei. Ich bin in der Vorstandschaft vom Tourismusverein Seeg sowie im Bürgerforum Seeg und arbeite ehrenamtlich in der Pfarr- und Gemeindebücherei. Wenn es darum geht, Leute fürs Allgäu zu begeistern, bin ich immer dafür zu haben. Auch durch meine Mitarbeit hier in diesem Blog.

Webseite:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.